Die Sonne scheint, der ein oder andere Fußgänger durchquert den frisch sanierten Adenauerplatz neben der Zentralbibliothek, eine friedliche Wohngegend mitten in der Innenstadt – und so soll es auch bleiben. Nach Ostern, am 7. April, beginnt die Baustelle für den Umbau der Caritaskirche St. Albertus. In der entwidmeten Kirche entstehen neben Büros für Mitarbeitende der Caritas und einem Multifunktionsraum für kleinere Veranstaltungen auch Angebote für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, darunter der Tagestreff für wohnungslose Menschen des Vereins Wohlfahrt aus dem jetzigen Bruno-Lelieveld-Haus, dessen Mietvertrag an der Erzberger Straße Ende des Jahres ausläuft. „Unsere Geschäftsstelle platzt aus alllen Nähten“, sagt Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa. Die meiste Fläche ist denn auch für Mitarbeitende gedacht und nur 20 Prozent für den Tagestreff mit zwei Ambulanzräumen und Kleiderkammer. Dass einige Anwohner aus Sorge vor der Ausbreitung der Drogenszene vom Hauptbahnhof bis ins Gründerzeitviertel mit dem Tagestreff „Bauchschmerzen“ haben, halten Polixa und Caritas-Vorsitzender Dr. Christof Wellens für unbegründet.
Man habe im vergangenen Frühling eine Bürgerversammlung gehabt, bei der eigentlich alle Fragen geklärt worden seien, so Polixa, dennoch sei vonseiten der Bürgerinitiative geäußert worden, dass man alles unternehmen wolle, um den Tagestreff zu verhindern. „Die meisten Besucher des Tagestreffs wollen mit der Drogenszene nichts zu tun haben“, so Wellens. Und natürlich habe auch die Caritas kein Interesse daran, neben den Räumen der Geschäftsführung eine „Troublesbude“ zu haben. Er erinnert daran, dass den Mittagstisch, der jahrelang für arme Menschen in der Kirche angeboten worden sei, niemand bemerkt habe, bevor er in den Medien erwähnt wurde. Zudem seien an keinem Tagestreff für Wohnungslose in Mönchengladbach Beschwerden aus der Nachbarschaft bekannt. Die Menschen, die in den Tagestreff kämen, suchten einen Platz zum Ausruhen, Gesellschaft, eine Möglichkeit, sich zu waschen, medizinische Behandlung oder eine warme Jacke. Drogen und Gewalt würden in keiner Form geduldet, die Szene vom Hauptbahnhof sei nicht deckungsgleich mit der im Tagestreff. Streetworker, das Sozialamt und das Ordnungsamt seien längst mit im Boot. „Die Caritas übernimmt Verantwortung für Menschen am Rande der Gesellschaft“, so Wellens, Wohnungslosigkeit sei das sichtbarste Zeichen zunehmender Not.
Münsterpropst Dr. Peter Blättler freut sich, dass die Kirche weiterhin wichtige Anlaufstelle in der Pfarrei St. Maria Rosenkranz bleibt und ihren Namen weiter führen wird.
Anfang 2027 soll der Tagestreff fertig sein, Ende 2027 der gesamte Bau, der von Architekt André Grosch geplant wurde. Die Kirchenfenster werden in den Umbau mit einbezogen, historische Elemente, wie die Figur des heiligen Antonius, die ehemaligen Weihwasserbecken, die Wendeltreppe samt Geländer, bleiben erhalten. „Leider muss der alte Steinboden raus“, so Architekt Grosch, er werde durch Industrieparkett ersetzt. Der ganze Umbau wird natürlich nach neusten energetischen Maßstäben durchgeführt.
3,5 Millionen Euro lässt die Caritas sich den Umbau kosten. Die endgültige Freigabe für den Tagestreff muss die Politik noch entscheiden. Eine entsprechende Studie ist von der Stadt in Auftrag gegeben.
Dass während der Baustellenzeit einige Parkplätze wegfallen, es hin und wieder Straßensperrungen geben werde und auch mal Lärm, lasse sich leider nicht vermeiden, so Grosch.