Anbieter will Flotte deutlich erweitern - vor allem junge Leute nutzen Angebote Immer mehr E-Scooter-Unfälle in Mönchengladbach

Mönchengladbach · Sie rollen, wo man nur hinsieht: Vor allem junge Menschen nutzen die E-Scooter-Angebote in Mönchengladbach. Kein Wunder: Sie sind „trendy“, leicht verfügbar und machen Spaß. Anbieter Dott will seine Flotte um 600 neue E-Scooter erweitern – als „sicherere Reiseoption“. Die Unfälle mit E-Scootern häufen sich aber. Was sagt die Polizei dazu?

E-Scooter-Nutzer brauchen keinen Führerschein. An Regeln müssen sie sich trotzdem halten. Doch die Zahl der Unfälle steigt.

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Es ist der 58-jährige E-Scooter-Fahrer, der alkoholisiert gegen den Bordstein einer Fußgängerinsel fährt, stürzt und sich lebensgefährlich verletzt (Mülfort, 15. August). Der 30-Jährige, der mit einem abbiegenden Kleintransporter kollidiert und sich beim Sturz schwer verletzt (Odenkirchen, 13. August). Der Unbekannte, der auf dem Parkplatz einen 21-jährigen E-Scooter-Fahrer mit dem Pkw anfährt, verletzt und davonfährt (MG-City, 3. August). Unfallmeldungen dieser Art häufen sich.

„Die Zahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von E-Scootern ist in Mönchengladbach gestiegen“, erklärt Melanie Brandtner, stellvertretende Leiterin der Direktion Verkehr bei der Polizei Mönchengladbach. „Von 74 Unfällen im Jahr 2021 auf 228 Unfälle im Jahr 2025. 2025 wurden dabei 140 Menschen leicht und 16 schwer verletzt.“ Was aus den Zahlen auch hervorgeht: E-Scooter werden häufig von jungen Menschen genutzt. „2025 verletzten sich in Mönchengladbach fünf Kinder unter 15 Jahren mit einem E-Scooter, 21 Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren und 39 junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren.“

Belastbare Zahlen für 2026 liegen noch nicht vor, aber die oben skizzierten Unfälle sind nur drei von vielen in den letzten Monaten. Und dann ist da noch die Dunkelziffer... „Es ist davon auszugehen, dass insbesondere Alleinunfälle sowie Unfälle mit geringfügigen Verletzungen nicht immer der Polizei gemeldet werden“, so Brandtner. Auch, was die „polizeilich festgestellte Hauptverursachung“ angeht, schneiden die E-Scooter nicht gut ab. „2025 trugen E-Scooter-Führende bei 149 von 228 Unfällen und damit in 65,4 Prozent der Fälle selbst die Hauptverantwortung. Darunter waren 51 Alleinunfälle.“

Auffällig seien dabei auch immer wieder „typische Risikokonstellationen“ wie Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, mit mehreren Personen, sehr junge Fahrer sowie technisch veränderte („frisierte“) Fahrzeuge. So mancher Verkehrsteilnehmer wird sie schon selbst beobachtet haben: E-Scooter zum Beispiel, die mit über 40 km/h (20 km/h sind erlaubt) über die Straße brettern, und „Bretter“ auf denen zwei Personen unterwegs sind (nicht zulässig).

Neben gezielten Verkehrskontrollen setzt die Polizei Mönchengladbach in Sachen E-Scooter stark auf präventive Maßnahmen: Aktionstage, Info-Veranstaltungen und E-Scooter-Trainings, bei denen Verkehrsregeln, der sichere Umgang mit den Fahrzeugen und typische Unfallrisiken vermittelt werden. (Trainingstermine auf der Website der Polizei Mönchengladbach unter >Termine).

Dass Anbieter Dott seine 600 für Mönchengladbach angekündigten neuen E-Scooter als „sicherer“ verkaufen möchte, zeigt, dass ihm die Gefahr, die bei seinen Fahrzeugen mitrollt, sehr wohl bewusst ist. Für mehr Sicherheit sollen breitere Trittbretter, größere Räder, stärkere Bremsen und Blinker (ab 1. Januar 2027 verpflichtend bei neu in den Verkehr gebrachten E-Scootern) sorgen. Ob das an den Unfallzahlen etwas ändert, oder breitere Trittbretter eher noch mehr zum Zusteigen von Mitfahrern einladen, wird sich zeigen. Auch die Polizei ist da skeptisch: „Ob sich dadurch tatsächlich eine sicherere Mobilitätsoption ergibt, kann die Polizei allein anhand der Ankündigung nicht bewerten“, erklärt Brandtner. „Eine größere Verfügbarkeit kann allerdings zu einer stärkeren Nutzung und mehr Unfallsituationen führen. Entscheidend sind technisch einwandfreie Fahrzeuge, eine regelmäßige Wartung, geordnete Abstellmöglichkeiten, eine geeignete Verkehrsinfrastruktur – und vor allem ein regelkonformes und rücksichtsvolles Verhalten der Nutzenden!“