Fachhochschschule Südwestfalen forscht im Auftrag der Stadt Können Bienen auch Wetter?

Mönchengladbach · Können Bienen nicht nur Pollen, sondern auch Wetterdaten für die Stadtteile sammeln? Und was wächst eigentlich wo in Mönchengladbacher Gärten? Diese zwei Fragen soll Agrarwissenschaftler Felix Karger von der Fachhochschule Südwestfalen im Auftrag des städtischen Smart-City-Teams erforschen. Das Team hat die Aufgabe, mit cleveren Ideen das Leben in der Stadt zu optimieren.

„Wir freuen uns sehr, dass der Bienenstock bei uns im Garten ist“: Restauratorin Mira Hoffmann (Museum Abteiberg) mit (v.l.) Imker Norbert Kamps, Smart-City-Koordinator Chris Demmer und Wissenschaftler Felix Karger.

Foto: Andreas Baum

Imker Norbert Kamps und Agrarwissenschaftler Felix Karger, sind von aufgeregten Bienen umgeben. „Die haben ganz schön die Höschen voll“, sagt Imker Kamps mit Blick auf die dicken Pollenklümpchen, die die Honigbienen gesammelt haben. Der Bienenstock, dem die beiden Männer eine Pollenprobe entnehmen, steht hinten im Garten des Museums Abteiberg und ist Teil des Forschungsprojektes, das das städtische Smart-City-Team bei Professor Martin Ziron und Felix Karger von der Fachhochschule Südwestfalen in Soest in Auftrag gegeben hat.

Smart-City-Managerin Kira Tillmanns, selber Hobby-Imkerin, habe die Idee gehabt, die Bienen in das Smart-City-Projekt mit einzubeziehen, sagt Smart-City-Koordinator Chris Demmer. Die Soester Wissenschaftler Ziron und Karger hatten im Vorfeld bereits beobachtet, dass Bienen kurz vor Starkregenereignissen lauter summen und auch eine höhere Rückflugrate zeigen.

„Über die App Flora Incognita können sich die Bürger beteiligen“, sagt Smart-City-Koordinator Chris Demmer.

Foto: Andreas Baum

Ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Bienen-Gesumm und Wetter bestehen könnte, soll Felix Karger nun erforschen. Ein Lautstärke- und Frequenzsensor, der das Bienensummen misst, eine digitale Bienenstock-Waage und eine Wetterstation sollen dokumentieren, ob ein Zusammenhang besteht und ob eventuell Messungen noch präzisere Daten liefern können, als der Wetterbericht.

„Die Wetterereignisse sind in den letzten Jahren so lokal konzentriert auf kleinstem Raum und mit großer Wucht, dass entsprechende Warnungen teils gar nicht zielgerichtet genug rausgehen können“, so Felix Karger. Um belastbare Erkenntnisse zu gewinnen, soll über mehrere Blühperioden hinweg gemessen werden, so Karger, der in seinem Heimatdorf Eslohe im Sauerland seit vielen Jahren selber Bienen züchtet. Nicht nur im Garten des Museums Abteiberg, sondern auch in der Nähe des Flughafens, am Königskarree und am Jugendclubhaus Westend gibt es weitere Bienenstöcke, in denen gemessen wird. Falls es sich als wahr erweise, dass Bienen zusätzliche Daten zum Thema Starkregenereignisse lieferten, so Chris Demmer, könnten die Daten in den Mönchengladbacher Hochwasserrisikomanagementplan mit einfließen und eventuell auch Mönchengladbacher Imker mit einbezogen werden.

Die zweite Fragestellung, die Felix Karger neben dem Bienen-Gesumm im Auftrag des Mönchengladbacher Smart-Teams untersucht, ist die, ob Pollenanalysen aus Honigbienenvölkern die gesamte Biodiversität (Artenvielfalt) der Blühpflanzen in Mönchengladbach abbilden können. Hierzu wird regelmäßig ihr Pollen im Labor untersucht, um herauszufinden, welche Blüten sie besonders gerne mögen. „Dabei ist der Bienenstock am Flughafen neben einem besonders artenreichen Blühstreifen sehr interessant“, sagt Felix Karger. Man könne so herausfinden, ob die ausgebrachten Pflanzen-Mischungen schon optimal seien, oder noch verbesserungswürdig.

Bei dieser Fragestellung sind auch die Mönchengladbacher Bürger gefragt. Über die kostenlose App Flora Incognita können sie angeben, welche Pflanzen in ihren Gärten oder benachbarten Parkanlagen und Grünflächen wachsen. Die erhobenen Daten werden anschließend mit den Ergebnissen der Pollenanalysen verglichen, um die Aussagekraft der Pollenanalysen zu überprüfen. So können sich Bürgerinnen und Bürger an der Forschungsarbeit beteiligen und dazu beitragen, die Artenvielfalt zu schützen und zu vergrößern.