Hintergründe zur Verlegung in Lank Stolpersteine wider das Vergessen

Lank-Latum · In der Ausgabe vom 26. April berichtete der Extra-Tipp über die Verlegung weiterer Stolpersteine in Lank-Latum zur Erinnerung an das frühere jüdische Leben im Ort. Norman Baltrusch vom Heimatkreis Lank hat hierzu die Hintergrundrecherchen geführt.

Die Stolpersteine der Familie Joosten in Lank-Latum.

Foto: Heimatkreis Lank

Baltrusch hat sich über drei Jahre intensiv mit der Geschichte der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Lank-Latum auseinandergesetzt. Unter seiner Mithilfe wurden bereits im Juni 2024 die ersten 14 Stolpersteine in Lank-Latum verlegt. In seinem bewegenden Vortrag in der Teloy-Mühle im Januar dieses Jahres (auch hier hat der Extra-Tipp berichtet) stellte er bislang unbekannte Fakten vor und wies bereits auf die aktuell erfolgte, damals noch geplante Verlegung von zehn weiteren Stolpersteinen hin, die er für den Heimatkreis Lank vorbereitet hatte.

Nach Abstimmung mit der Stiftung Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig stand einer Verlegung von Stolpersteinen für die Eheleute Josefine und Moritz Leopold an der Bismarckstraße 16 nichts im Weg. Im Gegensatz zu den für die Eheleute bereits in Krefeld-Linn verlegten Stolpersteinen ist der Verlegungsort in Lank-Latum am letzten frei gewählten Wohnort der Familie, an dem Moritz Leo­pold in der Pogromnacht 1938 verhaftet und verschleppt worden war und an dem er bis zur erzwungenen Geschäftsaufgabe im selben Monat seinen Kleinviehhandel betrieben hatte. Seit dem Zwangsverkauf des eigenen Hauses und der Einquartierung bei einer anderen jüdischen Familie in Krefeld-Linn musste Moritz Leopold in Uerdingen Zwangsarbeit leisten. Nach der Deportation der Eheleute und ihrer Ankunft im Durchgangsghetto Izbica in Ostpolen am verregneten Abend des 24. April 1942 hat man nichts mehr von ihnen gehört. Es bleibt offen, ob sie in Izbica selbst oder nach einem Weitertransport in einem der Vernichtungslager in Belzec oder Sobibor ermordet wurden.

Auf Basis der letzten Forschungen fand Norman Baltrusch ferner Belege, auf deren Grundlage für die große Familie von Benjamin und Mietje Joosten mit ihren sechs Söhnen in Lank-Latum an der Hauptstraße 7 ebenso Stolpersteine durch den Heimatkreis Lank verlegt werden konnten. Die Familie emigrierte zum Glück bereits schnell nach der Machtergreifung 1933 beziehungsweise 1935. Der jüngste Sohn Benno-Arend wurde erst später in Utrecht geboren, hatte aber unter der Verfolgung ebenso zu leiden, weshalb ihm zum Andenken ebenfalls ein Stolperstein bei denen seiner Familie verlegt wurde. Während die Eltern und die vier jüngeren Brüder durch das Verstecken bei Niederländern überlebten, wurden die beiden ältesten Söhne Arend und Philip, beide 1916 geboren, 1943 beziehungsweise 1942 festgenommen und in Westerbork inhaftiert. Kurze Zeit später erfolgte jeweils die Deportation nach Auschwitz. Philip wurde auf dem Transport nach Auschwitz aus dem Deportationszug geholt. Man nahm ihm die letzten Habseligkeiten und er wurde zur Zwangsarbeit herangezogen. Von der Familie Joosten mit fast 60 Personen haben schließlich nur elf den Holocaust überlebt.

Die neuen Stolpersteine sind ergänzend in der Stolperstein-App des WDR erfasst worden. Darüber hinaus hat Norman Baltrusch auf Wikipedia eine entsprechende Liste der Stolpersteine in Lank-Latum mit ergänzenden Informationen erstellt.