Sternsinger sind wieder unterwegs Warmherziger Jahresauftakt

Krefeld - Kreis Viersen · Die Sternsinger ziehen wieder von Haus zu Haus. Sie bringen den Segen und sammeln für Kinder in Not. Doch die Aktion ist unter Druck geraten.

Segenswunsch: Die Sternsinger schreiben C+B+M (Christus segne dieses Haus) an die Türen. Dafür bitten sie um eine Spende für notleidende Kinder.

Foto: Martin Steffen / Kindermissionswerk

Wer könnte das neue Jahr sympathischer einläuten als die Sternsinger? In diesen Tagen ziehen die Kinder der katholischen Gemeinden wieder von Haus zu Haus und bringen den Segen.

Verkleidet sind sie in den Gewändern ihrer Vorbilder, der drei Sterndeuter aus dem Morgenland. Diese folgten laut biblischem Bericht dem Stern über Bethlehem, der ihnen die Geburt des Jesuskindes ankündigte. Entsprechend sind die Kinder in orientalisch anmutende Umhänge gewandet. Manche tragen auch Felljacken, in Erinnerung an die biblischen Hirten, die die Kunde von der Geburt Jesu verbreiteten. Das Wahrzeichen der Sternsinger ist die goldene Krone auf dem Kopf, denn die Sterndeuter werden auch als die Heiligen drei Könige bezeichnet.

Die Kinder singen an den Haustüren ihr Sternsingerlied und schreiben mit Kreide die Jahreszahl 2026 sowie „C+M+B“ an die Hauswand. Das ist die Abkürzung für die lateinische Fassung des Spruchs „Christus segne dieses Haus“. Man kann die Buchstaben auch als Namen der drei Könige begreifen: Caspar, Melchior und Balthasar.

Es ist aber nicht nur ein schöner Brauch, der im Ideellen steckenbleibt. Im Bistum Aachen setzen die Sternsinger ein Zeichen gegen Kinderarbeit. „Schule statt Fabrik“ heißt deshalb in diesem Jahr ihr Motto. Immerhin müssen rund 160 Millionen Kinder in der Welt arbeiten. Die Sternsinger sammeln Spenden, um Projekte zum Schutz der Kinder zu unterstützen.

Dabei fördern viele Gemeinden konkrete Einrichtungen in den Notregionen der Welt, mit denen sie schon seit Langem verbunden sind. Aber alle diese verschiedenen Projekte dienen der Bildung, der Gesundheit und der Unterstützung der Kinder in dem jeweiligen Land.

So variantenreich die Projekte, so verschieden sind auch die Organisationen der Sternsingeraktion in den einzelnen Gemeinden. Vielfach basteln und schneidern die Kinder unter der Anleitung engagierter Helfer im Gemeindezentrum ihre Kronen und Kostüme selbst. Auch die erwachsenen Begleiter legen viel Herzblut in die Vorbereitung, stellen teils ihre Privatwohnungen als Logistikzentren für ihre Sternsingergruppe zur Verfügung. Wieder andere Gemeinden bieten an einem Nachmittag ein offenes Kindertreffen inklusive „Marschverpflegung“ an, von wo aus die Spontan-Sternsinger dann in Grüppchen ausschwärmen.

Denn leider fehlt es zunehmend an Nachwuchs. Immer weniger Kinder sind zu motivieren, am späten Nachmittag durch die Kälte zu ziehen. Deshalb können in vielen Gemeinden gar nicht mehr alle Straßen eines Wohnquartiers besucht werden. So sind manche Gemeinden dazu übergegangen, auch einsatzwillige Erwachsene als Sternsinger auszusenden. Wiederum andere müssen die Bürger um vorherige Anmeldung bitten, um einen gezielten Besuch der wenigen Sternsinger zu planen. Inzwischen wird teils den Bürgern schon angeboten, sich in der Kirche oder dem Gemeindezentrum gegen Spende einen Aufkleber mit dem bekannten Segensspruch abzuholen, den die Menschen dann selbst an ihren Haustüren anbringen sollen.

Die Aufkleber führen durchaus auch die Sternsinger bei sich. Denn an vielen Haustüren ist es nicht möglich, mit Kreide anzuschreiben. Dort kommt dann der Aufkleber zum Einsatz.

Da viele Menschen den Sternsingern nicht nur eine Spende in die Sammelbüchse geben, sondern angesichts der leuchtenden Kindergesichter auch ein Stück Schokolade als Belohnung bereithalten, sieht man die pfiffigen Kleinen nicht selten mit gut gefülltem Beutel am Gürtel. Die erfahrenen unter ihnen wissen eben, was auf sie zukommen kann.

Gemeinsam ist allen Gruppen, dass sie in einer festlichen Aussendungsfeier auf den Weg geschickt und am Ende der Aktion in einem Dankgottesdienst gewürdigt werden. Beweisen sie doch hohe Einsatzbereitschaft für einen guten Zweck.

Und auch ihr materielles Ergebnis kann sich sehen bzw. zählen lassen: Seit Beginn der Sternsingerinitiative im Jahre 1959 sammelten die Kinder in ganz Deutschland stolze 1,4 Milliarden Euro. Im Bistum Aaachen kamen zum vorigen Jahreswechsel rund 1,6 Millionen Euro zusammen. Damit lässt sich vor Ort in den Notregionen arbeiten.