Krefeld ist eine Sportstadt. Das belegen nicht nur die Vereine des Breiten - und Leistungssports. Über 150 Krefelder Schüler betätigen sich als Kadersportler. 135 von ihnen gehören in ihren verschiedenen Sportarten dem Landeskader NRW an. 19 sind sogar Mitglied des Bundeskaders.
Anders als in den 18 NRW-Städten, die über ausgesuchte Sportschulen verfügen, verteilen sich die Krefelder Kadersportler auf Schulen im ganzen Stadtgebiet.
Diese Jugendlichen benötigen besondere Förderung. Nicht nur in sportlicher, auch in schulischer Hinsicht. Denn Leistungssport und Schule unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. Allein schon die Termine der vielen Wettkämpfe lassen es nötig werden, die ein oder andere Unterrichtsstunde oder sogar den ganzen Schulvormittag zu verpassen.
Um die Kadersportler besser zu unterstützen, hatte sich schon vor 13 Jahren in Krefeld ein Netzwerk von Schulen, Sportvereinen und dem Stadtsportbund gebildet. „Vieles war aber nur halboffiziell“, blickt der Vorsitzende des Stadtsportbundes, Jochen Adrian, auf die vielen durchaus geglückten Maßnahmen zurück.
Jetzt aber schlägt das Netzwerk ein neues Kapitel auf. Unter dem Patronat des Stadtsportbundes erhält die Zusammenarbeit eine feste Struktur. Künftig übernehmen drei Leitungsschulen die Koordination der schulischen Begleitung der jungen Sportler: das Berufskolleg Vera Beckers, die Bischöfliche Montessori Gesamtschule und das Moltke-Gymasium.
Diesen drei Koordinierungsstellen sind jeweils sechs Schulen zugeordnet, die von Kadersportlern besucht werden. „Kein junger Sportler soll schlechtere Schulnoten bekommen, weil er seinen Leistungssport betreibt“, nennt Jens Sattler das Ziel, Geschäftsführer des Stadtsportbundes.
Wie die schulische Förderung konkret aussehen kann, verdeutlicht Gabriele Vogt von der Montessori-Gesamtschule an einem Beispiel: An ihrer Schule lernen 15 Kadersportler. Bei einer Befragung gaben 11 von ihnen an, eine Unterstützung in Mathematik und Englisch zu benötigen. Diese Förderstunden werden eingerichtet und zugleich für die Kadersportler der angeschlossenen Schulen geöffnet.
Darüber hinaus erhalten die jungen Sportler auch spezielle Beratungen durch qualifiziertes Fachpersonal, Hausaufgabenbetreuung und Anleitung im Zeitmanagement. Denn der Alltag der Leistungssportler muss überlegt getaktet sein, um sportlichen, schulischen und privaten Anforderungen gerecht zu werden.
Nicht zuletzt ist es wichtig, innerhalb der Schulgemeinschaft Verständnis für die besonderen Bedürfnisse der stark geforderten Leistungssportler zu wecken. „Leistungssport und Schule ist ein Megaritt“, weiß Stefan Bur, Leiter des Berufskollegs. Das kann die 15-jährige Anni nur bestätigen. Sie ist Vize Deutsche Meisterin im Fechten und an gut 20 Wochenenden im Jahr auf Wettbewerben. „Viele Termine ergeben sich erst kurzfristig“, bedauert die Marienschülerin. Da bedarf es einer Lehrerschaft mit Verständnis und vertrauensvollen Ansprechpartnern. Der Austausch der „Teamschulen“ kann beides gewährleisten.