Zwei Opern an einem Abend Publikum auf der Bühne

Krefeld · Das Stadttheater beschert einen ungewöhnlichen Opernabend: Es werden zwei Einakter gespielt und das Publikum sitzt mit auf der Bühne. Am Sonntag war Premiere.

Der etwas andere Ehekrieg: Der jungen Frau (Margarita Vilsone) wird Liebhaber Herzog Blaubart (Johannes Schwärsky) zunehmend unheimlich, aus gutem Grund. Foto: Stutte

Foto: Theater Krefeld/Matthias Stutte

Theater hebt sich von Film und Fernsehen ab durch die Unmittelbarkeit des Erlebnisses. Unmittelbarer als bei der Aufführung der beiden Kurzopern „Trouble in Tahiti“ und „Herzog Blaubarts Burg“ lässt sich Theater nicht erleben.

Denn das Publikum darf auf der Bühne selbst Platz nehmen. An der linken Seite der gestuften Sitzreihen, auf gleicher Höhe, agiert das Niederrheinische Sinfonieorchester unter Leitung von Sebastian Engel. Am Kopfende ist das Bühnenbild aufgebaut, spielen und singen die Darsteller. Publikum und Künstler begegnen sich buchstäblich auf Augenhöhe. Ein ganz besonderes Erlebnis. Zumal die Besucher im Vorübergehen auch die technischen Anlagen in Augenschein nehmen, die ihnen normalerweise verborgen bleiben.

Regisseurin Petra Luisa Meyer hat als Kulisse eine Küche aufbauen lassen. Die Schranktüren lassen sich öffnen und verbergen Geheimnisse. Die Mitte bildet eine moderne Kochinsel.

Die Küche ist traditionell der Mittelpunkt im Haus, Ausgang und Schauplatz des Familienlebens. Und genau darum geht es in beiden Einaktern. „Trouble in Tahiti“ vom amerikanische Komponisten Leonard Bernstein aus dem Jahre 1952 thematisiert die Entfremdung eines wohl situierten Ehepaares. Die Kochinsel in der Mitte ist geradezu das Symbol dazu, wenn Ehefrau und Ehemann auf verschiedenen Seiten stehen, die Insel zwischen sich. Gabriela Kuhn und Timothy Sharp drücken in Spiel und Gesang ihre Sehnsucht aus, die frühere Zweisamkeit wieder aufleben zu lassen. Doch eine innere Sperre hindert sie. Begleitet durch eine disruptive Musik unterschiedlicher Tonalitäten geht die Darstellung sehr zu Herzen.

Wie in einer altgriechischen Tragödie begleitet ein kommentierender Chor (Bettina Schaeffer, Ramon Mundin, Jeconiah Retulla) die Protagonisten. Vielfach täuscht er in munteren Klängen auch die verlogene Utopie einer heilen Welt vor. Der Kontrast lässt die seelischen Konflikte umso deutlicher hervortreten. Das ist schlüssig inszeniert.

In der Pause wird das Publikum wieder ins Foyer komplementiert, damit die Bühnenbauer in Ruhe arbeiten können. Denn jetzt folgt der zweite Einakter: „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók aus dem Jahre 1918.

Das Bühnenbild ist fast das gleiche geblieben, nur der Schrank hat sich in gigantische Höhe verlängert. Ein symbolischer Anklang an die Burgmauern des düsteren Frauenmörders. Auch diese Kurzoper handelt von einem Ehekrieg.

Gastsolistin Margarita Vilsone singt mit kräftiger Stimme und spielt mit umwerfender Intensität die zunehmend schockierte Frau, die den blutigen Geheimnissen des Herzogs auf die Spur kommt (Im April übernimmt Eva Maria Günschmann die Rolle). Johannes Schwärsky gelingt es, die seelische Zerrissenheit Blaubarts sichtbar und spürbar auszudrücken. Es entsteht ein dramatisches Kammerspiel zwischen Anziehung und Abstoßung zweier Liebender.

Dieser außergewöhnliche Opernabend hält das Publikum in Atem; und dies in größtmöglicher Unmittelbarkeit. Der Applaus war lang und kräftig.

Weitere Aufführungen: 21. März; 6., 25. April; 29. Mai. Beginn jeweils 19.30 Uhr.

Karten an der Theaterkasse, Tel.: 02151/805125 oder www.theater-kr-mg.de