Übergabe an Stadtarchiv Zeugnisse der Ära Kathstede

Krefeld · Der ehemalige Oberbürgermeister Gregor Kathstede hat seinen politischen Vorlass dem Stadtarchiv übergeben. Dieser ist bis auf ein privates Erinnerungsbuch öffentlich zugänglich und schreibt Krefelds Geschichte fort.

Der ehemalige Krefelder Oberbürgermeister Gregor Kathstede (links) und Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs Krefeld, bei der Übergabe von Dokumenten und Unterlagen. Foto: Stadt Krefeld, Dirk Jochmann

Foto: Stadt Krefeld/Dirk Jochmann

Der Verkauf des städtischen Krankenhauses an die Helios-Gruppe, die Wiederherstellung der zerstörten Kirchturmspitze von St. Dionysius und auch ein fetter Finanzskandal - Ereignisse aus der Amtszeit des ehemaligen Oberbürgermeisters Gregor Kathstede.

Künftig kann jeder Interessierte viele der auf Kathstede bezogenen Zeugnisse eigenhändig nachschlagen. Denn der Ex-OB, der von Oktober 2004 bis Oktober 2015 die Geschicke der Stadt lenkte, hat seine gesammelten Unterlagen dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

„Darunter sind allein 54 Aktenordner mit den Reden aus seiner Amtszeit“, freut sich Archivdirektor Dr. Olaf Richter über den Neuzugang. Desweiteren enthält der Bestand Zeitungsausschnitte, Fotos, Sitzungsmitschriften und Korrespondenzen; unter anderem mit den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft.

„Zu meinem 50. Geburtstag habe ich einen Brief von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommen“, hebt Kathstede dankbar hervor. Solche persönlichen Erinnerungen wie etwa auch an seine Dienstreisen in die USA, nach China und Japan, fließen ebenfalls in den Bestand ein. Herzstück dabei ist sein damaliger Terminkalender. „Den hat mir Dr. Richter regelrecht abringen müssen, denn er enthält auch meine privaten Eintragungen“, ließ sich Kathstede schließlich doch breitschlagen.

„Die Unterlagen können dazu beitragen, die Stadtgeschichte fortzuschreiben“, ordnet Dr. Richter die Bedeutung des Bestandes für die Historie Krefelds ein und fügt hinzu: „Dazu gehört auch die Persönlichkeit des Amtsinhabers“.

Diese nämlich bleibt nicht außen vor. In den Corona-Jahren hat Kathstede unter Zuhilfenahme des Stammbaums eine Chronik seiner Familie angefertigt und seine persönlichen Lebenserinnerungen aufgeschrieben. Schon seine Eltern waren CDU-Mitglieder. Er selbst trat als 18-Jähriger der Partei bei. Bei einer Veranstaltung zur Bundestagswahl 1994 fiel der junge Mann dem damaligen Bundestagsabgeordneten Dieter Pützhofen auf. Dieser bot ihm dann einen Posten in seinem Bundestagsbüro an. So begann Kathstedes politische Karriere.

Die private Chronik ist allerdings nicht frei zugänglich, weil sie teils sehr persönlich und familiär ausgerichtet ist. Erst zehn Jahre nach dem Tod des Autors wird auch sie für den öffentlichen Gebrauch freigegeben.

Doch auch mit dieser Einschränkung gilt der lokalhistorische Wert des Bestandes als einzigartig. Von keinem anderen Amtsinhaber der neueren Zeit liegt ein ähnlich umfassendes und vielfältiges Zeugnis seines Wirkens vor.

„Wir haben die Unterlagen in säurefreie Mappen gebunden und mit Signaturen versehen“, erläutert Dr. Richter die Arbeitsweise der Archivare. Somit bleiben die Dokumente sicher verwahrt der Nachwelt erhalten.