Königinnen gingen baden

Neersen (MK) · „Wem gratuliere ich denn nun zuerst?” – Diese Frage hat sich am Wochenende wohl so mancher Gast auf dem Schützenthron der St. Konrad-Schützengilde gestellt.

Ungewöhnlich groß war das Königshaus der Nierstalblumen: Zehn Königinnen schritten gemeinsam die Front der Schützen ab.

Ungewöhnlich groß war das Königshaus der Nierstalblumen: Zehn Königinnen schritten gemeinsam die Front der Schützen ab.

Foto: Kunze

Normalerweise gebührt diese Ehre dem König, danach allen anderen. Doch diesmal waren am Sonntag nicht weniger als zehn Königinnen – eine war zwischenzeitlich abhanden gekommen – am Ehrentisch versammelt. Alle Nierstalblumen teilten sich die Krone und sogar das Schützensilber!

Die neue Erfahrung der Schützen vom Grenzweg machte sich auch bei der Kranzniederlegung am Ehrenmal bemerkbar, als am Ende zehn rote Blumen den gelb-grünen Kranz der Bruderschaft umrahmten und eben etwas mehr Zeit ins Land ging, als immer zwei Königinnen vortraten und den Kriegstoten ihren Respekt erwiesen.

In einer bewegenden Rede schrieb Präsident Jürgen Latzke seinen Zeitgenossen ins Stammbuch, dass die stete Erinnerung an Geschichte, zumal die mittlerweile schon ferne Zeit von Krieg und Drittem Reich zwar keine Patentrezepte für Gegenwart und Zukunft bereit halte, aber doch stets Beispiele gebe, über die man nachdenken und seine Entscheidungen bewusst fällen könne, wo doch Demokratie, Freiheit und Wohlstand fragile Güter seien, für deren Erhalt sich gerade auch die Schützen einsetzen sollten.

In gewisser Weise haben die Grenzweg-Schützen auch eine Tradition, die an jedem Schützenfestmontag ebenso diese Erinnerung wecken könnte: Auch ein knappes Dutzend gekrönter Häupter konnte den traditionellen Aufstand nicht verhindern. Mit großer Verve warfen sich die Schützenbrüder und -schwestern der Königinnenburg trotz zäher Gegenwehr entgegen und bescherten den gekrönten Häuptern ein – immerhin erfrischendes – Bad in der Niers.

Zum Abschluss des Festes konnten sich die Schützen noch über ein spannendes Duell um die Königswürde des kommenden Jahres freuen, das letztendlich Christoph Brandt für sich entscheiden konnte.

Grund zur Freude hatten Manfred Schrobenhauser nach seiner Beförderung zum Oberst und Fabian Albrecht als neuer Leutnant. Hans Arno Gillessen durfte sich außerdem über den Präsidentenorden freuen.