MIT Kempen Unternehmen zwischen Innovation und Unsicherheit

Kempen · Die wirtschaftliche Lage vieler Industrieunternehmen ist angespannt. Das wurde bei der Firmenbesichtigung der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Kempen bei der Pfeiffer Chemie-Armaturenbau GmbH einmal mehr deutlich.

Foto: N. Krzywania

Rund 220 Mitarbeiter beschäftigt das traditionsreiche Unternehmen am Standort Kempen, das seit seiner Gründung im Jahr 1974 für hochwertige Armaturenlösungen in der Chemieindustrie steht. Doch der Blick in die Zukunft ist derzeit von großen Fragezeichen geprägt.

Im Rahmen des Besuchs gewährte Geschäftsführer Bernd Jenner und Produktionsleiter Martin Hantschel den Teilnehmern der MIT einen offenen Einblick in die aktuelle Situation und sprach dabei ein Thema an, das für den gesamten Chemiestandort existenzielle Bedeutung haben könnte: die Diskussion um ein mögliches Verbot von PFAS auf europäischer Ebene.

PFAS, eine Stoffgruppe, die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften in zahlreichen industriellen Anwendungen unverzichtbar ist, bildet einen wesentlichen Bestandteil der Produktion bei Pfeiffer. „Sollte es zu einem Verbot kommen, würde das unseren Standort massiv treffen“, machten Jenner und Hantschel deutlich. In der Konsequenz könnte sogar ein Großteil der Fertigung in Kempen zur Disposition stehen.

Bereits vor rund zweieinhalb Jahren war das Thema Gegenstand eines Vor-Ort-Termins mit dem Europaabgeordneten Dr. Stefan Berger (CDU). Damals hatten sich mit Pfeiffer, der Richter Chemie-Technik GmbH und der Rhenotherm Kunststoffbeschichtungs GmbH gleich drei Kempener Chemieunternehmen zusammengeschlossen, um ihre Bedenken direkt an die europäische Ebene heranzutragen. Ziel war es, auf die weitreichenden Folgen eines pauschalen Verbots aufmerksam zu machen.

Zwar gibt es inzwischen Alternativen zu PFAS, doch diese sind nach Angaben der Pfeiffer-Geschäftsleitung derzeit wirtschaftlich kaum tragfähig. Für viele Unternehmen bedeutet das einen Zielkonflikt zwischen regulatorischen Anforderungen und internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Bei aller aktuellen Unsicherheit richtete die Geschäftsleitung jedoch auch den Blick nach vorn. So sind konkrete Investitionen in den Standort Kempen geplant. Neben einer Erweiterung der Lager- und Logistikflächen auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist zusätzlich eine Ausweitung der Büroflächen vorgesehen, unter anderem durch die Aufstockung eines bestehenden Gebäudes. Ein klares Signal, dass das Unternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen an den Standort glaubt und langfristig plant.

Neben den Mitgliedern der MIT Kempen nahmen unter anderem auch die neue Wirtschaftsförderin der Stadt Kempen, Urszula Mainka, sowie der stellvertretende Bürgermeister Hans-Peter van der Bloemen (CDU) an der Besichtigung teil. Beide nutzten zusammen mit den Mitgliedern der MIT die Gelegenheit zum Austausch mit der Unternehmensleitung.

Die Botschaft der Besichtigung war dabei klar: „Der Kempener Mittelstand braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformationen, sei es durch regulatorische Eingriffe oder wirtschaftliche Entwicklungen, sind Planungssicherheit und praxisnahe Lösungen entscheidend, um Standorte wie Kempen langfristig zu sichern“, so MIT-Mitglied Christian Pommerin.