Kempener Initiative Rheinische Martinstradition als Immaterielles Kulturerbe anerkannt

Kempen · Die rheinische Martinstradition ist in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Sie war bereits seit 2018 als immaterielles Kulturerbe des Landes Nordrhein-Westfalen anerkannt.

Foto: Stadt Kempen

Damit würdigen die Deutsche UNESCO-Kommission und die Kultusministerkonferenz eine Tradition, die seit Generationen das gesellschaftliche Leben prägt. Der Kempener Mitinitiator der Initiative, Jeyaratnam Caniceus, zeigt sich hocherfreut über diese Entscheidung: „Die Aufnahme in die bundesweite Kulturerbe-Liste ist eine besondere Auszeichnung für alle, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Martinsfeste engagieren. Sie unterstreicht die große kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung unserer Tradition.“

Die rheinische Martinstradition hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert und entwickelte sich aus älteren, bäuerlich geprägten Bräuchen rund um den Martinstag. Heute ist sie weit über das Rheinland hinaus verbreitet und für viele Menschen ein fester Bestandteil des Jahreslaufs. Zu den prägenden Elementen gehören Laternenumzüge, das gemeinsame Singen von Martinsliedern, Martinsfeuer sowie die Darstellung der Mantelteilung – als Sinnbild für Mitmenschlichkeit und Teilen.

Besonders hervorzuheben sei die starke lokale Verankerung, so Caniceus: „Hunderte Sankt-Martins-Vereine organisieren die Feste eigenständig und überwiegend ehrenamtlich. Gerade in kleineren Orten sind sie ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.“ Die Tradition steht dabei allen Menschen offen – unabhängig von Herkunft, Religion oder Alter. Die Weitergabe erfolgt von Generation zu Generation: Kinder basteln Laternen, lernen Lieder und wachsen selbstverständlich in die Tradition hinein: „Viele engagieren sich später selbst aktiv – ein lebendiger ‚Generationenvertrag’, der die Zukunft der Martinstradition sichert.“

Auch in einer sich wandelnden Gesellschaft bleibe die Botschaft des Heiligen Martin hochaktuell, so Caniceus weiter. Die universellen Werte Teilen, Mitgefühl und Gemeinschaft würden von Menschen unterschiedlichster kultureller Hintergründe geteilt. Mit der bundesweiten Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe werde nicht nur die historische Bedeutung gewürdigt, sondern auch die lebendige Gegenwart der Martinstradition gestärkt. Gleichzeitig lenke sie den Blick auf Herausforderungen wie steigende organisatorische Anforderungen und den Rückgang ehrenamtlichen Engagements.

Jeyaratnam Caniceus betont: „Diese Auszeichnung ist für uns Ansporn, die Martinstradition auch künftig lebendig zu halten und weiterzugeben. Sie ist ein wichtiger Teil unserer Identität in Kempen.“ Der Martinsbund hat in der Vergangenheit viel beachtete Ausstellung zum Kulturerbe St. Martin initiiert, ein Martin-Denkmal angestoßen sowie eine Fußgängerampel mit Martin-darstellung in Kempen vorangetreiben. Als Dachorganisation zahlreicher Vereine setzt er sich dafür ein, die Tradition zu dokumentieren, zu stärken und weiterzuentwickeln – im Rheinland, bundesweit und im europäischen Austausch. Darüber hinaus soll die bestehende europaweite Vernetzung weiter vertieft werden. Die Initiatoren werden auch in diesem Jahr im September an der Konferenz der europäischen St.-Martin-Kulturzentren teilnehmen.

„Die bundesweite Anerkennung ist für uns ein bedeutender Meilenstein – aber nicht das Ende des Weges. Unser klares Ziel ist es, die rheinische Martinstradition auch auf internationaler Ebene zu verankern und als UNESCO immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkennen zu lassen. Damit setzen wir ein starkes Zeichen für gelebte Werte wie Teilen, Mitmenschlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt – weit über Deutschland hinaus“, so Caniceus.