Zukunft der Kempener Innenstadt „Ist es fünf vor zwölf?“

Kempen · Der Handelsverband NRW Krefeld-Kempen-Viersen, die IHK Mittlerer Niederrhein und der Werbering Kempen luden Vertreterinnen und Vertreter aller Politischen Parteien und die Verwaltungsspitze zu einem Austausch unter der Überschrift „Innenstadt Kempen – Fünf vor Zwölf?“ ein und stießen auf großes Interesse.

Die Märkte und Veranstaltungen in der Kempener Innenstadt (hier das Altstadtfest) sind immer gut besucht.

Foto: Rottmann

Der Abend sollte nach Vorstellung der Veranstalter dem Einstieg in einen regelmäßigen und strukturierten Dialog über die Zukunft der Kempener Innenstadt dienen: „Ziel war es, die aktuelle Lage zu beleuchten, Sorgen und Herausforderungen von Unternehmerinnen und Unternehmern erlebbar zu machen und erste Ansätze für weiteres gemeinsames Handeln zu finden.“

Am Beginn stand ein „Realitätscheck – Wo steht die Innenstadt von Kempen?“ der IHK Mittlerer Niederrhein. Zentrale Aussagen des Impulses waren: Die Innenstadt von Kempen ist weiterhin ein Standortvorteil. Allerdings stehe auch hier der Einzelhandel unter strukturellem Druck. Reale Umsatzverluste und rückläufige Geschäftsflächen kennzeichneten die vergangenen Jahre. Die Fortsetzung dieser Trends werde bundesweit auch für die kommenden Jahre prognostiziert. Um dem entgegenzuwirken, seien Branchenmix und Erlebnisqualität existenzielle Erfolgsfaktoren.

Auch die Erreichbarkeit bleibe ein zentraler Wettbewerbsfaktor: „Dabei profitiert die Kempener Innenstadt von einer insgesamt starken lokalen Wirtschaft. Verwaltung und Bürokratieabbau sind wichtige Entwicklungsfelder.“ Zehn Händler, Gastronomen, Unternehmer und eine junge Kundin schilderten ihre persönlichen Beobachtungen, Sorgen und Herausforderungen. Ein wiederkehrendes Thema war der „auch in Kempen mittlerweile sichtbare Leerstand”, den Werbering-Vorsitzender Armin Horst darum auch als Ausgangspunkt für die Veranstaltung nannte. Verändertes Kauf- und Ausgehverhalten, die wirtschaftliche Belastung im stationären Handel sowie die Frage, wie Aufenthalts- und Erlebnisqualität in der Innenstadt gesteigert werden können, waren weitere Themen. Angesichts der alternden Bevölkerung könnten Barrierefreiheit und Angebote für ältere Menschen in der Innenstadt die Aufenthaltsqualität steigern.

Auch das Potenzial der Burg könnte in Zukunft stärker genutzt werden. Anlass zur Diskussion bot die Parksituation, die, wie es Optiker Stephan Bunse ausdrückt, „auch ein emotionales Problem” sei. Ebenso wichtig: Der Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität, einer besser abgestimmten Mobilitäts- und Parkraumplanung, einer stärkeren Unterstützung des bestehenden Einzelhandels und einer intensiveren Einbindung der Innenstadtakteure in Entscheidungsprozesse. „Der Status Quo in Kempen darf nicht bewahrt, sondern er muss aktiv verbessert werden”, so formuliert es Michael Scharfenberg, Vorstandsmitglied des Handelsverbands NRW Krefeld-Kempen-Viersen.

Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Verwaltung machten auf bestehende Initiativen in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Mobilität, Infrastruktur und Veranstaltungswesen aufmerksam und bestätigten die Bedeutung der Kommunikation mit den Innenstadtakteuren. Die Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Touristik, Ute Straeten, betonte, man solle positiv auf seine Stadt blicken, um zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Alle Parteien sicherten ihre Bereitschaft zu, daran mitzuarbeiten.

Die neue Wirtschaftsförderin der Stadt Kempen, Urszula Mainka, schilderte als einen ersten positiven Eindruck das starke Unternehmertum in Kempen. Für sie sei es aber ebenso wichtig, auf die Stimmen der Konsumentinnen und Konsumenten zu hören, um passende Lösungen zu entwickeln. Zur Weiterarbeit an den genannten Themen schlug der Werbering Arbeitsgruppen oder Workshops vor. Rainer Höppner, Vizepräsident der IHK Mittlerer Niederrhein, berichtete von seiner Erfahrung, dass es gewinnbringend sei, zunächst kleinere und schnell umsetzbarer Maßnahmen zu entwickeln. So ließen sich erste Erfolgserlebnisse erzielen, die zum Weitermachen motivieren. Bürgermeister Christoph Dellmans sagte zu, die Impulse der Auftaktveranstaltung zu bündeln und dem Werbering konkrete Vorschläge zum weiteren Vorgehen zukommen zu lassen.