Dabei war die heute 68-jährige Oberstudienrätin am Berufskolleg Kempen-Willich auch noch im Stadtrat aktiv - eine Tätigkeit, welche die heutige Rentnerin vor ihrer Vorstandsarbeit des Festspielvereins abgegeben hat. „Ich habe mich dann ganz auf die Arbeit im Festspielverein konzentriert“, sagt sie im Gespräch mit dem Extra-Tipp. Als leidenschaftliche Theatergängerin schon von Kindheitstagen an, hat sie den Job im Verein nicht nur geliebt, sondern auch mit viel Leidenschaft geführt. Auch wenn sie den Vorsitz abgibt „... so ganz geht man doch nie“, sagt sie und lacht. Wir trafen sie zum Interview.
Elf Jahre Vorstandsarbeit im Festspielverein - wie war das für Dich?
Das war eine sehr schöne aber auch eine sehr arbeitsintensive und kreative Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte.
Wie kam es dazu?
Theater hat mich schon immer interessiert. Schon als Kind haben mich meine Eltern mit ins Theater genommen - und ich habe es geliebt. Die Aufführungen der Festspiele in Neersen habe ich immer gerne besucht und durch meine Arbeit im Stadtrat hatte ich auch einen besonderen Bezug dazu. 2011 bin ich dann in den Verein eingetreten. Als Hans Kothen sich als Vorsitzender nicht mehr zur Wahl stellte, wurde mir das Amt im April 2015 angeboten, dass ich dann auch angenommen habe. Eine Entscheidung, dich ich bis heute nicht bereue.
Was hat den Job für Dich so interessant gemacht?
Vor allem der Austausch mit den Menschen. Ich liebe den Kontakt mit Menschen, vor allem wenn es so ein kreativer Austausch ist. Durch meine Zeit im Stadtrat hatte ich ja auch gute Kontakte in die Verwaltung, was meiner Arbeit und auch dem Verein zu Gute kam.
2015 hat auch Jan Bodinus als Intendant angefangen. Wie war die Arbeit mit ihm?
Super - wir haben uns auf Anhieb gleich gut verstanden. Jan ist ein pragmatischer Mensch, aber eben auch ein echter Künstler. Besonders die Stücke, die er selbst inszeniert hat, haben mir immer sehr gut gefallen.
Apropos Stücke - was waren denn deine persönlichen Lieblingsstücke der letzten Jahre?
Oh das ist schwierig, denn gefallen hat mir nahezu alles. Vor allem auch zu sehen, wie so ein Stück entsteht, von der ersten Idee über die Proben mit den Schauspielern bis hin zur ersten Premiere. Das war immer ein tolles Erlebnis. Wenn ich jetzt so zurück blicke, dann würde ich sagen „Der Club der toten Dichter“ - ein sesehr emotionales Stück, „Pension Schöller“, der „Sommernachtstraum“ - eine sehr mutige Inszenierung, „Mulan“, „Plötzlich Shakespeare und „Im weißen Rößl“ - was ebenfalls sehr mutig war, eine Operette gegen den Zeitgeist auf die große Bühne zu bringen.
Fiebert man da nicht immer mit - ob das auch beim Publikum gut ankommt?
Immer! Es ist immer aufs Neue spannend gewesen, aber es war auch immer schön zu sehen, wie sich alle eingebracht und die Stücke zum Erfolg geführt haben.
...und dann kam Corona...
Das war schlimm. Ich habe nachts wach gelegen und überlegt, was wir als Festspielverein machen können. Wir haben dann aber schnell die Entscheidung getroffen, die Festspiele in 2020 abzusagen. Eine gute Entscheidung - man darf ja nicht vergessen, was da alles dran hängt. Mitarbeiter müssen bezahlt werden, Verträge geschlossen bzw in dem Fall wieder gekündigt werden. Alleine der Bühnenauf- und abbau kostet schon 30 000 Euro. Durch die Absage konnten wir vieles rechtzeitig abfedern. 2020 war wirklich ein schreckliches Jahr.
Trotzdem ging es dann weiter...
Natürlich. Ich denke, wir haben in den Folgejahren einen guten Weg gefunden, die Festspiele am Leben zu halten. Sicherlich ist das aber auch den vielen Besuchern zu verdanken, die uns immer unterstützt haben.
Das sieht man am Erfolg der letzten Saison.
Ja, die war wirklich sehr erfolgreich und ich freue mich auch, dass wir auch in dieser Saison schon wieder gute Vorverkaufszahlen haben.
Was kommt jetzt für Dich nach den Festspielen?
Ich genieße meine Freiheit. Ganz einfach. Ich habe in meinem Leben nie Phasen gehabt, wo ich mal nichts tun musste. Jetzt beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt, wo ich mal ganz frei sein kann und das mache, was mir Spaß macht!
Was da zum Beispiel wäre?
Ich singe gerne, ich gehe gerne zum Line-Dance und ich möchte jetzt mal Bogen schießen. Und da ich Sprachen liebe, überlege ich, vielleicht noch eine weitere Sprache zu lernen - dänisch oder niederländisch vielleicht. Zusätzlich wollen mein Mann und ich oft zur Landesgartenschau nach Neuss fahren. Wir haben einen großen Garten und ich liebe Gartenarbeit. Außerdem koche ich gerne - und gerne für die ganze große Familie.
Bleibst Du den Festspielen treu?
Natürlich. Als Besucherin werde ich mir die Aufführungen der Festspiele immer anschauen. Ich freue mich jetzt schon auf die kommende Saison. Das wird super.
Das Interview führte Extra-Tipp-Redakteur Kellys Grammatikou