Kunstverein auf Kunstreise Auf den Spuren von Folkwang und Bauhaus

Stadt Willich · Eine Gruppe des Willicher Kunstvereins konnte jetzt auf einer Wochenendreise die Kunst- und Kulturschätze der westfälischen Stadt Hagen mit fachkundiger Begleitung entdecken.

Der Willicher Kunstverein hat am vergangenen Wochenende seine Kunstreise nach Westfalen veranstaltet. Foto: Kunstverein

Foto: Kunstverein

Das Ehepaar Osthaus begründete Anfang des 20. Jahrhunderts dort die Folkwang-Tradition, die bis heute sehr erfolgreich in Essen weitergeführt wird.

Karl-Ernst und Gertrud Osthaus waren dank großer Industrievermögen ihrer Familien finanziell unabhängig. Sie interessierten sich für neue Lebensformen, die auch künstlerisch ihren Ausdruck fanden. Osthaus, der Kontakt zu vielen zeitgenössischen Künstlern wie Renoir und Matisse unterhielt, beauftragte den belgischen Architekten Henry van de Velde, einen kompletten Lebensraum für sich und seine Familie zu gestalten. Auf der Anhöhe über Hagen entstand der „Hohenhof“, wo die kunstinteressierten Willicher das Komplettdesign von Innenarchitektur, Möbeln, Kleidung bis hin zu Alltagsgegenständen erleben konnten. Kunst und Gestaltung sollten das ganze Leben durchdringen, eine Idee, die später konsequent vom Bauhaus weitergeführt wurde. In Hagen umfasste das Konzept auch Siedlungen für Künstler und Arbeiter.

Ein volles Kunstprogramm erwartete die Willicher in gleich zwei Museen der Hagener Innenstadt. 1902 hatte Osthaus hier das private Folkwang – Museum gegründet, um neue Impulse und Schönheit in die Industriemetropole zu bringen. Die originale Sammlung Osthaus verkaufte seine Witwe 1922 inklusive des Namens „Folkwang – Museum“ nach Essen. Aber in der wechselvollen Geschichte der Sammlung steht bis heute stets moderne Kunst im Zentrum, und die Willicher konnten dazu in einer raumfüllenden Installation eigene Kunsterfahrungen machen.

Im selben Komplex steht das Emil – Schumacher – Museum allen Kunstinteressierten offen. Schumacher hat sein ganzes Leben in Hagen verbracht. Seine meist großformatigen, farbenkräftigen Werke hängen in vielen Museen und in großer Zahl in Hagen.

Am zweiten Tag erkundete die Reisegruppe des Willicher Kunstvereins Dortmund. Thema der geführten Tour war die Geschichte und Entwicklung der einstmals reichen Hansestadt vom Mittelalter bis heute. Rund um die Welt ging es abschließend in der Ausstellung „Müll. Über die globalen Wege des Abfalls“ im Dortmunder „U“. In dem ehemaligen Brauereigebäude sind heute viele Kultureinrichtungen beheimatet.

Die Kunstreisen des Willicher Kunstvereins bieten zweimal im Jahr intensives Kunsterleben. Monatlich gibt es Führungen zu Ausstellungen oder kulturellen Erlebnisorten in der Region.

„Diese Angebote finden durchweg großen Anklang, und wir freuen uns, dass wir immer neue Mitglieder davon überzeugen können“, sagt der erste Vorsitzende des Willicher Kunstvereins, Klaus Behrla.

Die Jahresausstellung des Willicher Kunstvereins eröffnet im September wieder im Schloss Neersen. Dazu gab es ein neues Auswahlverfahren mit offener Ausschreibung. Fast 80 Kunstschaffende haben sich mit Werken zum Thema „Ansichtssache“ beworben, die nun von einer Jury gesichtet werden. „Damit können wir eine Ausstellung mit hohem künstlerischen Anspruch gestalten“, so Klaus Behrla.