Hilfsorganisation unterwegs im Erdbebengebiet. In 90 Sekunden alles verloren

Stadt Willich (kg) · Am 6. Februar erschütterten gleich zwei Erdbeben Antakya in der südtürkischen Provinz Hatay und die Menschen verloren alles. Auch jetzt, sieben Monate später, leben die Menschen dort in Zelten und provisorisch errichteten Camps. Die Anratherin Sarah Easter arbeitet für die Hilfsorganisation Care und hat sich ein (trauriges) Bild von der Lage vor Ort gemacht.

Care-Mitarbeiterin Sarah Easter (links) im Gespräch mit Erdbebenopfer Elcin. Die zweifache Mutter verlor ihre beiden Töchter. Das Tattoo an ihrem Arm zeigt deren Sihouetten ohne Gesichter.

Care-Mitarbeiterin Sarah Easter (links) im Gespräch mit Erdbebenopfer Elcin. Die zweifache Mutter verlor ihre beiden Töchter. Das Tattoo an ihrem Arm zeigt deren Sihouetten ohne Gesichter.

Foto: Care/Tarek Satea

„Wie fragt man eine Mutter, wie ihre Tochter gestorben ist?“ Care-Mitarbeiterin Sarah Easter steht mit Elcin vor einem Trümmerhaufen aus Schutt und Asche. Dort, wo zwei karge Bäume aus den Trümmern ragen, war nicht nur das Haus von Elcin, war nicht nur der Garten. Hier verlor die Mutter auch ihre beiden Kinder, eine Tochter, mit der sie durch das Erdbeben verschüttet wurde, starb in ihren Armen. In nur 90 Sekunden hat sie alles verloren, nicht nur Haus und Hof, Hab und Gut. „In jedem Gespräch, das ich führe, erzählen sie mir von den ersten 90 Sekunden des Erdbebens, die sich für die meisten wie eine Ewigkeit anfühlten“, erzählt die Anratherin unserer Zeitung.

„Wie fühlen sich 90 Sekunden an? In 90 Sekunden putze ich mir normalerweise die Zähne, stelle meinen Toaster für die ideale Knusprigkeit ein und schaue mir ein Reel auf Instagram an. 90 Sekunden sind nur ein Moment, aber hier haben sie alles verändert.“

Sarah Easter ist für Care im Erdbebengebiet unterwegs. Von den Städten ist nur noch die hohle Außenhaut dessen übrig, was einmal ein Zuhause war und jetzt leer ist. Hier trifft sie auch auf Elcin. Elcin hat bei dem Erdbeben ihre beiden Kinder und ihre Mutter verloren und war mit ihrer Tochter vier Tage lang unter den Trümmern gefangen, bevor sie gerettet wurde. Sie starrt auf die Stelle, wo ihre Tochter in ihren Armen gestorben ist und bittet die Anratherin weiterzumachen, Fotos zu machen und vom Unglück zu erzählen. „Dann hat mir Elcin eine Tätowierung auf ihrem rechten Unterarm gezeigt. Es zeigte ihre beiden Kinder. Es ist die Kopie eines Fotos, das sie von den beiden gemacht hat. Der einzige Unterschied ist, dass die Gesichter leer sind.“

Die Erdbeben haben viele Menschenleben gekostet, viele Häuser wurden zerstört, „trotzdem versuchen die Menschen, das, was von ihrem Leben übriggeblieben ist, wieder aufzubauen“, so die Anratherin. Einige jedoch, wie Elcin, werden nie wieder aufbauen können, was sie verloren haben.

Die Hilfsorganisation Care leistet den vom Erdbeben betroffenen Menschen dringend benötigte Hilfe. Wer Care dabei unterstützen möchte, findet alle Informationen unter www.care.de.