Interview mit Peer Schopp „Habe einfach Bock auf die Pinguine“

Krefeld · Bei den Krefeld Pinguinen deutet nach dem überraschenden Weggang von Multifunktionär Sergej Saveljevs alles auf einen Neuanfang hin. Der Extra-Tipp traf den neuen Mehrheitseigner Peer Schopp sowie seine Mitgesellschafter Tobias Polka und Matthias Voigt zum exklusiven Interview.

 Der neue Mehrheitsgesellschafter der Krefeld Pinguine, der Unternehmer Peer Schopp (rechts), traf sich mit Extra-Tipp-Redaktionsleiter Jörg Zellen zum Interview.

Der neue Mehrheitsgesellschafter der Krefeld Pinguine, der Unternehmer Peer Schopp (rechts), traf sich mit Extra-Tipp-Redaktionsleiter Jörg Zellen zum Interview.

Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

Ihr Einstieg kam für Fans und Beobachter des Krefelder Eishockey sehr überraschend. Wie waren die ersten Reaktionen?

Peer Schopp Die ersten Tage wurde ich von der Welle der Reaktionen überrollt. Ich bin von Fans bei Facebook und über andere Kanäle angeschrieben wurden, die mir ihre Begeisterung mitgeteilt haben. Alle teilten mit, dass sie froh darüber sind, dass die Pinguine wieder zuhause in Krefeld sind. Das war wie eine Lawine, die über mich drüberging. Da musste ich mich erst einmal runterfahren.

Tobias Polka Die beste Reaktion war die, dass es wie ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk sei. Selbst ehemalige Sponsoren kontaktierten uns, die nun wieder einsteigen wollen. Es ist eine unglaubliche Euphorie.

Matthias Voigt Dass es so geräuschlos über die Bühne ging, hat alle überrascht.

Schopp Der Aha-Effekt war tatsächlich überall spürbar. Aber diese Vertrauensbasis war auch ein Schlüsselfaktor, dass es so reibungslos verlief.

Apropos Übergabe. Wie verlief die Zusammenarbeit mit Sergej Saveljevs?

Schopp Es war sehr emotional. Und es flossen auch ein paar Tränen. Sergej und ich sind in den vergangenen Monaten eng zusammengewachsen. Er hat den Krefeld Pinguinen viel gegeben - und nicht nur finanziell. Er war zum Schluss komplett fertig und konnte das ganze nicht mehr verkraften.

Polka Ich habe Peer und Sergej bei einem gemeinsamen Essen zusammengebracht. Die beiden waren sich sofort sympathisch. Diese Harmonie war der Garant für alles.

Seit wann war denn klar, dass Sie seine Anteile an der GmbH übernehmen?

Schopp Das war jetzt ein Prozess über Wochen und Monate. Bereits vor einem Jahr habe ich mit Tobias Polka darüber gesprochen, dass wir einiges gerne anders machen wollen und die Pinguine auf allen Ebenen professionalsieren wollen. Dieser Klub hat unglaubliches Potenzial. Das wollen wir entfachen. Als Sergej dann mitteilte, dass er nicht mehr weitermachen will, war klar, dass ich einsteige. Ich habe darauf, das sage ich einmal ganz deutlich, einfach Bock.

Wie kam der Kontakt zu den Pinguine  zustande?

Schopp Als Jugendlicher in Solingen ist meine Liebe zum Eishockey entstanden. Als ich dann vor 25 Jahren nach Krefeld gezogen bin, ist der KEV mein Verein geworden. Als Partner und Fan bin ich ja schon lange mit an Bord.

Wo genau sehen Sie denn Verbesserungsbedarf?

Schopp In allen Bereichen. Unsere Liste ist lang. Alle im Stadion müssen ihre Arbeit erledigen - vom einzelnen Spieler, über die Geschäftsstelle, von der Reinigungskraft über den Betreuer bis hin zur Geschäftsführung. Was aber auch klar ist, dass es eine klare Aufgabentrennung zwischen den einzelnen Bereichen geben wird.

Das bedeutet, Sie werden auch einen Sportlichen Leiter einstellen?

Schopp Ja, ganz klar. Die Gespräche laufen bereits. Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden zwei Wochen Vollzug melden können. Die Zeit drängt, wir müssen schnell handeln, denn der Kader für die kommende Saison muss zusammengestellt werden.

Waren Sie bei der Personalie Peter Draisailt auch schon involviert?

Schopp Ja, das haben wir gemeinsam so entschieden.

Wie sehen denn die kurzfristigen Ziele aus?

SchoppWir wollen und müssen vielschichtige Probleme lösen. Die Aufgabe des Trainers wird sein, der Truppe eine Struktur zu geben. Automatismen müssen einstudiert werden. Da ist viel Zeit verloren gegangen. Und während der Saison ist das ein hartes Brot, weil wir ja auch Spiele gewinnen wollen, wenn wir unter die Top 4 kommen wollen.

Wird denn in Sachen Team noch einmal nachgebessert?

Schopp Wir haben den besten Kader der DEL 2. Die PS sind da, aber wir müssen sie auf die Straße kriegen. Die Mannschaft ist noch nicht da, wo sie hinkommen kann. Da brauchen wir Geduld. Ob wir dann noch einen Kracher holen, werden wir dann sehen.

Bei Ihrer offiziellen Vorstellung präsentierten Sie drei sich vor der Rheinlandhalle. Ein Signal in Richtung KEV 81?

Polka Wir haben mit den 81ern in den vergangenen Tagen mehr gesprochen, als es in den vergangenen Monaten der Fall war. Es macht doch einfach nur Sinn, wenn wir eng zusammenarbeiten.

Voigt Wir drei beabsichtigen auch gemeinsam mit Geschäftsstellenleiter Karsten Holderberg Mitglied beim KEV 81 zu werden. Dies wäre dann ja auch ein Zeichen.

Wie stehen die Pinguine Ende 2022 denn finanziell dar?

Schopp Gut. Wir haben keinerlei Verbindlichkeiten. Und dies soll auch so bleiben.Wir wollen aus dem KEV ein funktionierendes Unternehmen machen.

Polka Die Zeiten des einen Mäzens, der den Geldbeutel immer wieder aufmacht, sind vorbei. Unser Ziel ist es, die Pinguine wirtschaftlich unabhängig zu machen. Es gab in den letzten 15 Jahren eine Perspektivlosigkeit. Nun wollen wir ein Konstrukt aufbauen, was für viele Menschen und Unternehmen attraktiv ist. Wir wollen den KEV wieder nach Hause holen.

Werden aufgrund Ihrer langjährigen unternehmerischen Tätigkeit weitere Partner an Bord geholt?

Schopp Das ist durchaus möglich. Wir haben alle drei ein großes Netzwerk, welches wir für die Pinguine begeistert haben oder noch begeistern wollen.

Wie wichtig ist für die Geldgeber die „Krefelder Lösung“?

Voigt Sehr wichtig. Viele kommen auf uns zu und begrüßen diesen Weg. Die ersten Reaktionen sind durchweg positiv.

Schopp Auch bestehende Sponsoren meldeten sich
und sagten fast erleichtert
„endlich“.