Improviser in Residence 2023 Willkommen in Moers!

Moers · Das Moers-Festival hat die Stadtmusikanten fürs Jahr 2023 vorgestellt. Mit den Musikern von Recursion sind es erstmals drei Improviser, dafür spart das Festival bei den Fahrtkosten.

Festivalleiter Tim Isfort, die stellvertretende Bürgermeisterin Claudia van Dyck, die drei künftigen Improviser von Recursion Steven Koch, Jan Krause und Christopher Retz sowie der neue Leiter des Kulturbüros Santiago Gomez (v. l.) in der Residenzbaustelle.

Festivalleiter Tim Isfort, die stellvertretende Bürgermeisterin Claudia van Dyck, die drei künftigen Improviser von Recursion Steven Koch, Jan Krause und Christopher Retz sowie der neue Leiter des Kulturbüros Santiago Gomez (v. l.) in der Residenzbaustelle.

Foto: tw

„Hier wird gearbeitet.“ Wie immer beim Moers-Festival ist der Pressetermin zur Präsentation des/der Improviser 2023 eine große Sause, maximal improvisiert quasi als kalkuliertes Chaos. Das Festivalteam trägt Staubanzüge, ebenso die drei maskierten und sonnenbebrillten Improviser, die mit Akkuschraubern, zerdepperter Bierflasche, Tablet und zig Effektgeräten auch musikalisch eine Abrissparty hinlegen. „Wir räumen nachher auf“, verspricht Tim Isfort einem der Noch-Bewohner um Tomeka Reid. Die zahlreich versammelte Presse hat keine Fragen mehr.

Noch vom damaligen Künstlerischen Leiter Reiner Michalke stammt die Idee, jedes Jahr einen Gastmusiker in Moers wohnen, arbeiten und Konzerte spielen zu lassen, 15-mal gab es das bereits, Frauen und Männer im jährlichen Wechsel, mit Matt Mottel und Kevin Shea alias Talibam! gab’s 2021 erstmals zwei Improviser und mit Tomeka Reid, die am Mittwoch ihr Abschiedskonzert gegeben hat, eine schöne Bestätigung, dass Moers bei der Wahl der Residenzkünstler ein gutes Händchen besitzt: Im Oktober wurde Reid die „McArthur Fellowship“ verliehen, eins der höchstdotierten Stipendien der USA für Kreative.

USA, Brasilien, Mexiko - wie zum Festival zu Pfingsten holt auch das Residenzkünstlerprogramm die Welt nach Moers. Diesmal bleibt man in der „Provinz“, die drei Jungs von Recursion werden quasi fürs Hierbleiben belohnt: Jan Krause wurde in Duisburg geboren und lebt immer noch da, der gebürtige Duisburger Christopher Retz ist in Moers aufgewachsen und Steven Koch ist im nächsten Jahr zehn Jahre in Moers. „Die meisten Musiker wandern ja schnell ab nach Köln oder Berlin“, sagt der künstlerische Leiter und hiergebliebene Moerser Tim Isfort, „aber da geht man ja unter. Es ist viel besser, hier zu sein.“ Mit den drei künftigen Improvisern, alle 90er-Baujahre, bewirbt man sich aber nicht um den Heimatpreis, sondern wirbt um die Jugend. Speziell junge Menschen sollen angesprochen werden; das Spiel mit Tablets und Effektgeräten, das Recursion regelmäßig zu spartenübergreifenden Kunstaktionen steigert, als niederschwellige Ansage frei nach Beuys: In Allen steckt ein Improviser!

Tomeka Reid kommt noch einmal am 22. Januar nach Moers, um mit Recursion das Übergabekonzert zu spielen. Schon ab heute bis zum Finaltag ist das Moers-Festival auf dem Moerser Weihnachtsmarkt zu erleben, wo es rabattierte Frühbucher-- und Sondertickets feilbietet. Und, wer weiß, sich mit der ein oder anderen kleinen oder großen Sause zur Schau stellt. Willkommen in Moers!