Musical "On the Town" in Duisburg Nur Spaß muss sein

Duisburg · Wer Menschen und Musik liebt, sollte sich das nicht entgehen lassen: „On the Town“, Leonard Bernsteins erstes Musical, wie aus einem Guss im Theater Duisburg.

„Wir haben jetzt das Empire State.“ Chip (Julius Störmer) und Hildy (Laura Magdalena Goblirsch) auf Stadtrundfahrt.

Foto: Jochen Quast

Die beste Regie ist die, die man nicht sieht, weshalb wir hiermit Louisa Proske zur Regisseurin des Jahres erklären. Beim Nachlesen der Handlung in der englischen Wikipedia stellt man fest, dass fast alle Gags schon im Stück angelegt sind. Müssen nur noch Kostüme und Bühnenbild genauso lustvoll zum Klischee greifen wie die Urheber, die in den drei Boy-meets-Girl-Variationen so ziemlich alles verwursten, was man von Siegmund Freud gehört zu haben glaubt. Der Professor trägt natürlich Einstein-Frisur. Dass er und die weiteren Würdenträger sich zum Marsch der Beleidigten zusammentun, steht erstens auch schon so im Libretto und zeigt damit zweitens ebenso wie viele weitere Tanznummern ohne Gesang, dass „On the Town“ auf einem Ballett beruht. Die Dialoge sind verhältnismäßig witzlos und mehr so ein informativer Kitt zwischen den Songs. Die aber sind allesamt wirklich große Nummern, da machen Regie, Bühne und Kostüm alles richtig und da stellt man beim Hören bzw. beim Mitlesen der Übertitel einmal mehr fest, wie weit das alltagsnahe Amerikanisch vorne ist.

Spaß haben beim 24-Stunden-Landgang ist die ganze Handlung. Ob Stadtrundfahrt interruptus oder derselbe depressing Song in jeder Nachtbar - das Großartige an jüdisch-amerikanischer Kultur ist, dass sie sich vor allem über sich selbst lustig macht. Die Umsetzung dieses großartigen Stücks mit dem fugendicht perfekten Zusammenspiel von Bühnenbild, Videoprojektion, Ensemble und Orchester macht „On the Town“ zur besten Rheinopernproduktion seit „A Rake’s Progress“.

Gibt es gar nichts zu bemängeln? Eigentlich nicht. Der kleine Mikrofonwackler ganz am Anfang ist nicht der Rede wert, zumal die elektrisch verstärkten Stimmen hier top auf den unverstärkt-satten Orchesterswing ausgepegelt sind. Dass der Plakatkleber berlinert, ist der einzige Griff in die Mottenkiste. Dass bei „Some Other Day“ die U-Bahn quasi auf dem Zeitgleis weiterfährt, bis ein vom Wahlkampf erschöpftes Trumpistenpärchen einsteigt, ist ein ganz lustiger Regieeinfall, doch hier mit Vietnam zu kommen ist ungerecht: Die Amerikaner „On the Town“ sind die, die Europa von den Deutschen befreit haben. Denn tatsächlich genau das ist das Unfassbare, Unglaubliche und der Triumph: dass das Stück von 1944 ist, als hierzulande ein minderbemittelter Maler Wagneroper spielt und Millionen mit ihm sich mit nichts als Tod und Vernichtung befassen, und dass „On the Town“ sich seiner Zeit und Umstände voll bewusst ist und trotzdem oder vielmehr genau deshalb nichts will als Spaß.

Nur noch Restkarten gibt es für die Vorstellung am kommenden Donnerstag, 7. Mai; die Vorstellung am 25. Mai ist ausverkauft. Noch Karten gibt es für die Vorstellungen am 16. Mai sowie am 6. und 18. Juni – und für die bis jetzt angesetzten sechs Vorstellungen in der kommenden Spielzeit ab dem 7. Oktober im Theater Duisburg. Karten: Theaterkasse, Opernplatz/Neckarstraße 1, 47051 Duisburg, Telefon (0203) 28362100, www.operamrhein.de