Projekt hilft Kindern von psychisch und suchterkrankten Eltern Projekt KipE stärkt Kinder

Mönchengladbach · Eine psychische Erkrankung betrifft nicht nur die einzelne Person, sondern fast immer auch die Familie. Psychisch erkrankte Eltern sind oft überlastet, mit der Erziehung überfordert. Für ihre Kinder ist die Situation besonders schwierig. Das Projekt Kinder psychisch kranker Eltern (KipE) unterstützt genau solche Kinder in Mönchengladbach.

 Betroffene Eltern entlasten, Zeit für die Kinder haben, Verständnis zeigen, Freizeitangebote machen – das Projekt KipE stärkt Familien.

Betroffene Eltern entlasten, Zeit für die Kinder haben, Verständnis zeigen, Freizeitangebote machen – das Projekt KipE stärkt Familien.

Foto: KipE – Kinder psychisch kranker Eltern

Früher gab’s eine einfache „Lösung“ zum Problem: Psychisch kranke Menschen hatten kein Recht auf Elternschaft, Punkt. Eine diskriminierende Haltung, die heute zum Glück überholt ist. „Psychisch kranke Menschen wurde lange in Anstalten verwahrt“, erklärt Dieter Schax, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Vereins für die Rehabilitation psychisch Kranker e.V. (Reha-Verein). „Dass sie Kinder bekommen, wusste man zu verhindern. Erst durch die Reform in der Psychiatrie in den vergangenen 50 Jahren, wurde es nach und nach ‚normaler‘, dass auch psychisch kranken Eltern nicht von vornherein das Recht auf Elternschaft abgesprochen wurde.“

Und so gibt es heute wieder Familien mit psychisch erkrankten Eltern – aber auch das Bewusstsein dafür, dass diese Konstellation eine echte Herausforderung darstellt.

„Die Kinder müssen oft viel zu früh Verantwortung für die Familie übernehmen, wenn zum Beispiel ein Elternteil wegen eines Krankheitsschubes für längere Zeit oder immer mal wieder als Elternteil ausfällt“, schildert Schax.

Emotionale, soziale, schulische Probleme – dass Kinder von psychisch oder suchterkrankten Eltern benachteiligt sind, belegen zahlreiche Studien. Viele der Kinder laufen Gefahr, selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Um genau dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, ist Unterstützung nötig. Und deshalb gibt es seit 2010 das Modellprojekt KipE des Landschaftsverbands Rheinland beim Reha-Verein. Familien begleiten und insbesondere die Kinder stärken, durch Prävention, Gesundheitsförderung und Aufklärung – und das kostenlos, freiwillig und niedrigschweillig, ist das Ziel von KipE.

„Um die Betroffenen zu erreichen, ist die Netzwerkarbeit wichtig“, sagt Projektleiterin Fenja Offermanns und erklärt weiter: „Unser Projekt basiert auf vier Schwerpunkten: 1. Die Beratung – um die Sprachlosigkeit in der Familie zu überwinden, Bewältigungsressourcen zu stärken und die Kinder zu entlasten. 2. Die KiMM-Gruppe (Kinder im Mittelpunkt Mönchengladbach) für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren, die von einem Fahrdienst abgeholt werden und in einem geschützten Raum ganz Kinder sein, altersgerechte Erfahrungen sammeln und sich mit Gleichaltrigen in ähnlicher Situation austauschen können. 3. Das Patenprojekt, in dem Ehrenamtliche regelmäßig Zeit mit den zwei- bis 17-jährigen Kindern verbringen, Freizeitangebote machen und zur verlässlichen Bezugsperson werden. Und 4. Verrückt? Na und! – Aufklärung durch Psychiatrieerfahrene und Fachleute an Schulen. Jugendliche sollen dabei ihre eigenen Stärken und Ressourcen, ihre Ängste besser wahrnehmen und verstehen lernen und erfahren, wo sie Hilfe finden und wie sie Freunde und Mitschüler unterstützen können.“

KipE wird durch Projektförderungen unterstützt und ist zu einem großen Teil durch Spendengelder finanziert. So sind im Juni beim Aktionstag mit „Radeln für den guten Zweck“ des Reha-Vereins an die 4 000 Euro für das Projekt KipE zusammengekommen. Mit dem Geld sollen die Beratung und direkte Arbeit mit den Kindern unterstützt werden – zum Beispiel mit einem erlebnispädagogischen Ausflug der KiMM-Gruppe.