Alexandra Dovgan und Herta Müller in Mönchengladbach Große Namen zu Gast

Mönchengladbach · Der Initiativkreis Mönchengladbach beginnt sein Jubiläumsjahr spektakulär: Die Pianistin Alexandra Dovgan spielt am 9. Mai in der Kaiser-Friedrich-Halle. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller liest am 17. Mai aus ihren Werken.

 Der Initiativkreis eröffnet seine Veranstaltungen im Jubiläumsjahr mit der jungen Pianistin Alexandra Dovgan und der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.

Der Initiativkreis eröffnet seine Veranstaltungen im Jubiläumsjahr mit der jungen Pianistin Alexandra Dovgan und der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.

Foto: Initiativkreis MG/Oscar Tursunov/Oscar Tursunov

Freunde der klassischen Musik haben am 9. Mai eine ganz besondere Chance. Dann kommt die 14-jährige Pianistin Alexandra Dovgan nach Mönchengladbach, von der Experten sicher sind, dass sie dauerhaft zu den Besten am Klavier gehören wird. Ihr Mentor Grigori Sokolow, seit Jahrzehnten selbst einer der weltbesten Pianisten, sorgte 2019 dafür, dass die damals 12-Jährige mit einem Solokonzert bei den Salzburger Festspielen debütieren konnte. Die letzte, der diese Ehre in vergleichbar jungen Jahren zuteil wurde, war vor Jahrzehnten die Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Sokolov sagte in Salzburg: „Es wäre nicht richtig, sie als Wunderkind zu bezeichnen, denn ihr Klavierspiel ist zwar ein Wunder, hat aber nichts Kindliches an sich. Ihre Interpretationen sind die einer Erwachsenen, einer voll ausgeformten Persönlichkeit.“ Seit ihrem Salzburg-Debut war Dovgan in bedeutenden Konzerthäusern wie der Berliner Philharmonie, dem Concertgebouw Amsterdam und der Tonhalle Zürich zu Gast.

Von besonderer Aktualität ist die Lesung der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller am 17. Mai. Müller hat ihr ganzes Leben lang gegen die grausamen, menschenverachtenden Seiten des Kommunismus angeschrieben. Wer ihre Bücher liest, sieht nicht nur das Ceausescu-Regime, sondern jeden Überwachungsstaat mit anderen Augen.

Im Interview mit der österreichischen Zeitung „Standard“ sagte sie kürzlich angesichts des Ukraine-Krieges: „Ich muss davon erzählen, was ich erlebt habe. Dass Diktaturen ein Muster haben, das sich immer wiederholt, dass sie den Menschen kaputt machen. Dass es eine totale Willkür gibt und dass man zerbricht. Ich habe viele Menschen zerbrechen sehen. Das Individuum gibt es in der Diktatur nur als Feind.“

„Landschaften der Heimatlosigkeit“ nannte die Nobelpreis-Jury Herta Müllers Romane. Sie gehört zu den großen Schriftsteller*innen des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde Herta Müller 1953 im rumänischen Banat. Aufgrund ihrer Weigerung, mit der Geheimpolizei Securitate zusammenzuarbeiten, verlor sie ihre Arbeit. Als sie die Diktatur in ihren ersten Büchern öffentlich kritisierte, kam ein Publikationsverbot dazu. 1987 reiste sie nach West-Berlin aus.

Am 17. Mai wird sie einen Einblick in zwei ihrer Werke geben. In „Mein Vaterland war ein Apfelkern“ erzählt Müller im Gespräch mit der Journalistin Angelika Klammer ihre Lebensgeschichte. In „Atemschaukel“ schreibt sie über den jungen Hermannstädter Leopold Auberger, der 1945 mit 17 Jahren in ein sowjetisches Arbeitslager deportiert wurde, über Hunger, Kälte und Einsamkeit. Mit diesem erschütternden Hauptwerk hat Herta Müller all denen ein Denkmal gesetzt, die als Zwangsarbeiter in sowjetischen Lagern für die Verbrechen der Nationalsozialisten büßen sollten. Ernest Wichner, langjähriger Leiter des Literaturhauses Berlin, moderiert den Abend.

Tickets für beide Veranstaltungen gibt es unter
www.ik-mg.de