Der Abstellraum in einem der beiden grünen Holzhütten an der Kopfseite des Fußballplatzes ist entrümpelt. Ein Stück Kunstrasen ist, quasi als Teppichboden, auch schon verlegt. Jetzt fehlen nur noch ein paar Möbel, und das neueste Projekt des FC Eintracht Güdderath kann an den Start gehen: Ein modernes Medien- und Podcast-Studio, als Ort, an dem Geschichten erzählt, Menschen zusammengebracht und wichtige Themen sichtbar gemacht werden. Die Technik dafür stellt der Vereinsvorsitzende Alexander Dahmen. Für das Mobiliar und ein paar Eimer Farbe sucht man noch Sponsoren. Etwa 1 000 Euro werden gebraucht. Alles, was übrig bleibt, geht an die Vereinsjugendarbeit oder an den Verein „Suumpfperlen“ zur Unterstützung krebskranker Menschen.
„Fußball kann weit mehr als 90 Minuten auf dem Sportplatz“ prangt in großen Lettern auf der Homepage des FC. Und Alexander Dahmen möchte den Satz wörtlich verstanden wissen. Nicht selten werde – den Aufstieg im Fokus – die Vereinsarbeit in kleineren Amateurvereinen ein bisschen vernachlässigt, so Dahmen. Im FC Güdderath sei das Familiäre mindestens genauso wichtig wie der Sport. „Wir achten aufeinander, das gilt besonders für Kinder und Jugendliche aus Problemfamilien“, so Dahmen, der im Berufsleben Marketingleiter bei den Krefelder Pinguinen ist, seit 2020 audiovisuelle Themen bearbeitet und somit „vom Fach“ ist. „Das Miteinander steht hier im Vordergrund“, ergänzt Mitstreiter und Vorstandsmitglied Leon Schlag, als angehender Sozialarbeiter ebenfalls voll im Thema. Man romantisiere nicht, das sei einfach authentisch. Der Amateurfußball könne nämlich eine Menge für die Gesellschaft tun.
Zwei Pilot-Folgen unter der Headline „Kabinengeflüster“ habe es letztes Jahr bereits gegeben. Das Ganze sei aber eingeschlafen, weil es keinen passenden Raum gegeben habe. Wenn der fertig eingerichtet ist, soll es alle zwei Wochen eine Folge geben, die jeder über den YouTube-Kanal sehen kann. Das Format, das nicht mehr auf Fußballthemen beschränkt sein soll, wird den Namen „Mühlen-Talk“ tragen. Natürlich wolle man nicht zu politisch werden, aber Tabu-Themen seien durchaus vorgesehen. „Die ersten 20 Folgen sind schon vorgeskriptet“, so Dahmen.