Die heiße Phase des Saalkarnevals ist gestartet. Die Jecken vom Niederrhein feiern in diesen Tagen ausgelassen, meist bunt-kostümiert, sich und die fünfte Jahreszeit. Nahezu alle Vereine laden zu verschiedenen Veranstaltungen ein - ganz gleich, ob Gala-Sitzung, Hausfrauennachmittag oder Herrenabend. Was die Gäste wohl nie mitbekommen: Der Druck auf die Organisatoren des närrischen Treibens steigt stetig. Steigende Kosten, wachsende bürokratische Anforderungen und veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen stellen den organisierten Karneval vor große Herausforderungen. „Selten war es so schwer Karneval im öffentlichen Raum zu feiern“, sagt Christian Cosman, Präsident der Prinzengarde Krefeld und ergänzt: „Es sind viele kleine Dinge, die aufwendiger oder teurer sind. Am Ende ist das Gesamtpaket eine Last, die gestemmt werden muss.“
Aktuell prasselt jede Menge auf die Karnevalsgesellschaften ein. So wurden u.a. die Gema-Gebühren angehoben. Statt Pauschalen werden Flächengrößen oder Umsatzanteile herangezogen. „Für einen Abend können da mehrere Tausend Euro fällig sein“, berichtet Cosman. Bürokratische Hürden machen den Jecken ebenfalls das Leben schwer. Die Genehmigung von Veranstaltungen wird immer umfangreicher und komplexer. „Und sie bündelt immer mehr Manpower, die manche Vereine gar nicht aufbringen können“, weiß Christian Cosman, der ein Beispiel aus dem Rosenmontagszug nennt. „Wir müssen bereits zwei Stunden vor Beginn des Zugs einen Tierarzt bereithalten, der den ganzen Tag über auf Abruf bereitsteht.“
Was aus Sicht der Behörden der Sicherheit dient, bedeutet für ehrenamtlich geführte Vereine einen erheblichen Mehraufwand. Viele Verantwortliche fühlen sich zunehmend überfordert, da juristische, organisatorische und verwaltungstechnische Kenntnisse gefordert werden, die weit über das klassische Vereinsleben hinausgehen.
Hinzu kommt: Sicherheitskonzepte, Sanitätsdienste, Straßensperren, Bühnen- und Tontechnik sowie Versicherungen schlagen mittlerweile deutlich stärker zu Buche als noch vor wenigen Jahren. Hinzu kommen höhere Ausgaben für das Wurfmaterial, Energie, Material, Mieten und Transport.
Ein weiterer Punkt, der die Krefelder Jecken umtreibt: „Uns fehlen inzwischen adäquate Säle“, klagt der Prinzengarde-Präsident. „Unser närrisches Wohnzimmer, das Stadtwaldhaus, fällt noch mindestens ein Jahr als Veranstaltungsstätte weg. Der Saal des Krefelder Hofs fehlt uns ja schon länger. Wir stehen an dem Punkt vor einer riesigen Herausforderung.“
Ganz so düster blickt Cosman indes nicht in die Zukunft: „Es gibt auch Positives zu vermelden. Wir können auf einen starken Nachwuchs bauen.“ Bei allen aktuellen Sorgen ist er sich sicher: „Den Krefelder Karneval werden wir auch in den kommenden 25 Jahren feiern.“ Doch so ganz selbstverständlich dürfe dies nicht mehr sein...