In weiteren Terrarien tummeln sich vier Wüstenrennmäuse. Und auch mehrere Achatschnecken schleichen durch ein Gehege.
Dafür hat die Schule eigens ein Klassenzimmer in einen sogenannten Ruheraum umfunktioniert. Hier ist es warm und gemütlich. Sitzsäcke und ein Bücherregal verbreiten eine wohlige Atmosphäre.
Die tierischen Neuzugänge haben jedoch einen ganz konkreten Hintergrund: Sie beleben an der Schule mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung das Konzept der tiergestützten Pädagogik. In der Begegnung mit den Schlangen, Mäusen und Schnecken sollen die Kinder entspannen, ihren Stresspegel senken und einen Zugang zur Tierwelt finden.
„Unsere Schülerinnen und Schüler profitieren von solchen praxisnahen Bildungsangeboten. Nach einer längeren Konzentrationsphase und in individueller Absprache mit den Klassenlehrern können sie Zeit mit den Tieren im Ruheraum verbringen und dabei positive Energie auftanken“, erklärt Schulleiterin Lavinia Brand.
Entstanden ist die Idee in der Tier-AG unter der Leitung von Katharina Koch, der MPT-Kraft an der Uerdinger Schule (MPT steht für Multiprofessionelles Team). Im vergangenen Jahr besuchten die Kinder das Vivarium am benachbarten Gymnasium Fabritianum. Begeistert von dieser Erfahrung verfolgten sie nun den Wunsch nach eigenen Tieren auch an ihrer Schule.
Dass die Wahl auf Schlangen, Schnecken und Mäuse fiel, hängt mit einem simplen Grund zusammen: Im Vergleich zu anderen Haustieren sind sie einfacher zu halten. Um die regelmäßige Säuberung, Fütterung und den Streuwechsel kümmert sich die Tier-AG, bestimmte Kinder dürfen dies eigenständig übernehmen. In den Ferien übernehmen Lehrkräfte abwechselnd die Versorgung.
Nach rund einem Dreivierteljahr zieht Lavinia Brand eine zufriedene Zwischenbilanz: „Der Bindungsaufbau ist an unserer Schule besonders wichtig. Und da sind die Tiere eine echte Bereicherung. Sie bringen wertvolle Impulse in einer ungezwungenen Atmosphäre. Dadurch werden die Kinder spürbar zugänglicher. Das wirkt sich auf die Persönlichkeitsbildung, aber auch auf das gesamte Klassenklima aus. Der neue Ruheraum kommt bei vielen Schülerinnen und Schülern sehr gut an.“
Wie integriert die Tiere bereits in den Schulalltag sind, zeigen die Kinder am Vormittag des 3. März. Hier schnellen unentwegt zahlreiche Finger in die Luft. Die rund 100 Schüler aus den Klassen fünf bis sieben stellen neugierig Fragen, beweisen aber auch, dass sie bereits Erfahrungen mit Reptilien haben. Gerade haben sie Besuch aus dem Terra-Zoo, einer Reptilienauffangstation in Rheinberg, die sich größtenteils aus Spenden finanziert. Die zwei Tierpfleger haben eine grüne Bartagame mitgebracht – und einen Königspython. Er verblüfft selbst die schlangenerprobten Kinder der Förderschule, ist er doch um einiges dicker und länger als Chess und Stripe. Wer möchte, darf den Königspython und die Bartagame in der tiernahen Unterrichtseinheit berühren oder sogar halten. Für viele ist das aufregend, manche überwinden ihre Ängste. Bei allen Kindern sticht vor allem aber eines hervor: der große Respekt gegenüber den Tieren.
Die städtische Förderschule am Uerdinger Rundweg besuchen rund 190 Kinder in den zweizügigen Jahrgangsstufen fünf bis zehn. Unterrichtet werden sie von 23 Lehrkräften mit sonderpädagogischer Qualifikation.
Weitere Infos unter www.schule-am-rundweg.de.