Geboren wurde sie als Anneliese Kotterik 1932 in Duisburg, wo sich, wie auch im ganzen Ruhrgebiet, durch die „Industrielle Revolution“ im 19. Jahrhundert das wirtschaftliche und soziale Gefüge der Menschen rapide verändert hatte. Hier wurden von der Kongregation „Unsere Liebe Frau“ in dieser Zeit zahlreiche Kindergärten, Kinderhorte, Schulen sowie lebenspraktische Kurse für Frauen gegründet und aufgebaut, um der großen Not entgegenzuwirken.
Anneliese Kotterik, die mit ihren zwei jüngeren Geschwistern im Ortsteil Laar aufwuchs, wurde in einem Arbeiterhaushalt geboren - der Vater war Bergmann. Auch in Laar gab es einen Kindergarten, der von den Schwestern Unserer Lieben Frau geleitet wurde. In deren Obhut war sie von ihrem 2. Lebensjahr bis zum Schuleintritt 1939. Erst 1945, dem Kriegsende, konnte sie ihre Schul- und Berufsausbildung fortsetzen. Ab 1949 arbeitete sie als „kaufmännische Bürofachkraft“ bei einer Handelsgesellschaft für Binnenschifffahrt, bis sie 1953, geprägt auch durch ihre Heimatgemeinde St. Ewaldi in Duisburg-Laar und den dort wirkenden Liebfrauenschwestern, in die Ordensgemeinschaft eintrat.
Nachdem Schwester Maria Mechtilde die Qualifikation zum Studium für das Lehramt am Gymnasium erlangte, erwarb sie 1965 das Staatsexamen in den Fächern Deutsch und Geschichte. Nach der zweijährigen Referendarzeit begann ihre Berufstätigkeit an der Liebfrauenschule in Köln, doch schon bald wechselte sie in die Schulleitung am Liebfrauen-Gymnasium Vechta in Niedersachsen.
Ab 1974 übernahm Schwester M. Mechtilde immer wieder wichtige Leitungsaufgaben innerhalb der Kongregation: 12 Jahre leitete sie die rheinische Provinz Mülhausen, und für ebenfalls 12 Jahre wurde sie in die Generalleitung nach Rom als Generalassistentin für Deutschland gewählt, später auch für die Niederlande und für Korea, wohin sie bis zu ihrem Tod lebhafte Kontakte pflegte. Sechs Jahre war Schwester M. Mechtide als „Erste Assistentin“ die Vertreterin der Generaloberin. In Rom leitete sie auch das Gästehaus des weltweit agierenden Ordens.
Mit 71 Jahren kam Schwester M. Mechtilde in ihre Heimatprovinz Mülhausen zurück. Hier verfasste sie die umfangreiche „Geschichte der Provinz Mülhausen von 1888 bis 2007“. Wenn Schwesterngruppen aus den ausländischen Provinzen die Ursprünge der Kongregation in Deutschland kennenlernen wollten, begleitete sie diese. Seit 2019 lebte Schwester M. Mechtilde im Schwestern-Altenheim Haus Salus in Mülhausen, wo sie jetzt verstarb. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Schwesternfriedhof an der Grasheider Straße in Mülhausen. (Text: Alfred Knorr)