LVR-Klinik Viersen Perspektive Genesungsbegleitung

Süchteln · Claudia Pohl hat kürzlich ihre Ausbildung als Genesungsbegleiterin erfolgreich abgeschlossen. Bereits seit rund zwei Jahren arbeitet sie im Fachbereich Gerontopsychiatrie der LVR-Klinik Viersen und begleitet dort Patientinnen und Patienten mit viel Verständnis und persönlicher Erfahrung.

Genesungsbegleiterin Claudia Pohl mit Dr. Timm Strotmann-Tack, Chefarzt der Gerontopsychiatrie der LVR-Klinik Viersen.

Foto: LVR-Klinik

Claudia Pohl war 30 Jahre lang als Erzieherin tätig, viele Jahre davon als Leiterin einer Kindertagesstätte. „Ich war mental irgendwann nicht mehr in der Lage, in meinem bisherigen Beruf weiterzuarbeiten“, erzählt sie offen. Nach einer eigenen psychischen Erkrankung war sie selbst Patientin der LVR-Klinik Viersen sowie in Behandlung einer Tagesklinik.

In dieser Zeit wurde sie von Dr. Timm Strotmann-Tack, Chefarzt der Gerontopsychiatrie der LVR-Klinik Viersen, erstmals auf das Thema Genesungsbegleitung, auch Experienced Involvement (Ex-In) genannt, aufmerksam gemacht. Anfangs konnte sie sich darunter wenig vorstellen. Nach intensiver Beschäftigung mit dem Konzept erkannte sie jedoch schnell die Möglichkeit, eigene Erfahrungen sinnvoll einzubringen und andere Betroffene zu unterstützen. Und genau das verbirgt sich hinter der Genesungsbegleitung. Noch vor Abschluss der Ausbildung erhielt Claudia Pohl die Möglichkeit, als Genesungsbegleiterin tätig zu werden. Kürzlich schloss sie schließlich erfolgreich ihre Ex-In-Ausbildung ab.

Heute begleitet sie Patienten mit viel Verständnis und persönlicher Erfahrung. Besonders die gemeinsame Erfahrung mit psychischen Erkrankungen schafft häufig schnell Vertrauen und eine besondere zwischenmenschliche Beziehungsebene.

Auch persönlich bedeutet die Arbeit für Claudia Pohl sehr viel. „Durch die Ausbildung und die Arbeit habe ich wieder zu mir selbst gefunden. Ich habe gelernt, besser auf meine eigene Gesundheit zu achten, offen mit meiner Erkrankung umzugehen und auch mal ,Nein‘ zu sagen“, beschreibt sie ihren Weg.

Im Team der Gerontopsychiatrie fühlt sich Pohl herzlich aufgenommen und als vollwertiges Mitglied integriert. Gemeinsam mit Kollegen wurde zudem ein Konzept für die Genesungsbegleitung auf der Station entwickelt. „Genesungsbegleitung ist eine wertvolle Ergänzung unseres therapeutischen Angebots. Die persönlichen Erfahrungen schaffen häufig einen besonderen Zugang zu den Patientinnen und Patienten“, erklärt Dr. Strotmann-Tack.

Für die Zukunft wünscht sich Claudia Pohl, dass Genesungsbegleitung noch mehr Anerkennung findet und weiter ausgebaut wird. „Gerade nach einem Klinikaufenthalt brauchen viele Menschen weiterhin Unterstützung im Alltag. Genesungsbegleiterinnen und Genesungsbegleiter können hier eine wichtige Brücke sein“ sagt sie.