Smart-City-Projekt Kaltluftströme und das Stadtklima

Viersen · Ein gemeinsames Smart-City-Projekt von Viersen und Mönchengladbach soll neue Datengrundlagen für die Klimaanpassung und Stadtplanung schaffen. Untersucht werden nächtliche Kaltluftströme.

Der neue Kaltluftströmesensor am Marktplatz Rheydt mit den Projektbeteiligten (v.l.): Chris Demmer (Stadt MG), Nikolas Boettcher (GEO-NET Umweltconsulting), Daniel Brown und Kim Nowak (Stadt Viersen), Markus Klancicar (Stadt MG). Foto r.: Der Sensor mit Drohne am Bungtbach in MG.

Foto: Stadt Mönchengladbach

Das sehnsüchtige Warten auf nächtliche Abkühlung – das kennen viele im Hitzesommer 2026. Nächtliche Kaltluftströme sind aber auch für das Stadtklima von großer Bedeutung. Welche Wege solche Ströme nehmen und wie sie sich auswirken, untersuchen die Städte Viersen und Mönchengladbach jetzt in einem gemeinsamen Smart-City-Forschungsprojekt. Dafür haben die Verantwortlichen an 60 Standorten Messstationen aufgebaut, 11 davon in Viersen.

Nach Flügen mit einer Messdrohne und nächtlichen Messfahrten sorgt jetzt ein Netz von Umweltsensoren dafür, dass aufgezeichnet wird, wann und wo nachts kalte Luft entsteht und wie sie sich – auch über Stadtgrenzen hinweg – bewegt.

Kaltluft entsteht vor allem in klaren und windschwachen Nächten. Dann kühlen unbebaute Flächen wie Wiesen, Felder und Parks stärker ab als bebaute Bereiche. Die bodennahe Luft wird kälter und schwerer. Ist der Temperaturunterschied groß genug, kann die kalte Luft abfließen und aufgeheizte Stadtbereiche abkühlen.

„Den gesamten Zusammenhang von der Entstehung der Kaltluft über ihre Bewegung bis zu ihrer Wirkung in der Stadt möchten wir besser verstehen“, sagt Daniel Brown, Chief Digital Officer der Stadt Viersen. Chris J. Demmer, Smart-City-Koordinator der Stadt Mönchengladbach, ergänzt: „Entscheidend ist, dass wir die Wege der Kaltluft möglichst genau nachvollziehen können. Die Daten können uns beispielsweise Hinweise darauf geben, wo Strömungen ausgebremst werden und wo Grün- und Freiflächen ihre kühlende Wirkung besonders gut entfalten.“

Eine Drohne und ein Messfahrzeug lieferten erste Grunddaten. Dauerhaft beobachtet werden die Kaltluftströme durch fest installierte Sensoren, die in beiden beteiligten Städten verteilt sind. Aus den so gewonnenen Daten lassen sich konkrete Erkenntnisse für die Stadtplanung ableiten.

Elf der insgesamt 60 Messstationen sind in Viersen montiert. Zu finden sind sie insbesondere im Bereich zwischen Löh und Petersstraße. Als sogenannte urbane Referenzfläche dient in Viersen der Sparkassenvorplatz. Dort gewonnene Daten werden mit den Daten der anderen Umweltsensoren verglichen.

Hauptbestandteil der Messstationen ist ein weißer Metallkörper mit einem spiralförmigen Lüftungsschlitz. In diesem Metallgehäuse sitzt der Temperatursensor. Auch die Luftfeuchtigkeit wird hier erfasst. Eine Windfahne und ein Löffelrad messen Windrichtung und Windstärke. In einem grauen Kasten steckt Funktechnik. Sie sorgt dafür, dass die gemessenen Daten direkt an das städtische Computernetz gesendet werden.

Das Kaltluftstrom-Messnetz ist Teil der Smart-City-Maßnahme „Klima Plus“. Die Maßnahme wird vom Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen unterstützt. Der Bund trägt dabei 90 Prozent der Kosten.