Menschen, die auf der Flucht aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, sehen sich mit Herausforderungen konfrontiert: Neben dem wesentlichen Erlernen der Sprache gilt es, einen geregelten Tagesablauf zu organisieren, Behördengänge zu erledigen und eine Perspektive in der neuen Heimat zu entwickeln.
Niels Riskes, Sozialarbeiter bei der Verwaltung der Gemeinde Niederkrüchten, kennt die in der Gemeinde lebenden Geflüchteten und hilft, den Weg in ein Leben in Deutschland zu finden. „Wer die deutsche Sprache in Grundzügen beherrscht, sollte möglichst schnell auch in Arbeit kommen“, so Riskes. Wenngleich dies zu Beginn oft bedeutet, auch eine Arbeit anzunehmen, die nicht den aus dem Heimatland mitgebrachten Qualifikationen entspricht, so ist der erste Schritt in den Arbeitsmarkt oft der wichtigste. Immer relevanter wird dabei auch ein weiteres Thema: Eine neue Ausbildung.
Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Mohammad Ali Farzam. Der 31-jährige Afghane absolviert mittlerweile eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei der WILMS Tiefkühl-Service GmbH im Gewerbepark Dam. Der Weg dahin steht exemplarisch dafür, welche Möglichkeiten Geflüchteten zur Verfügung stehen: So absolvierte Farzam nach dem Besuch lokaler Ausbildungsmessen ein Bewerbungscoaching und wurde von Niels Riskes zu Vorstellungsgesprächen begleitet. Rückblickend zeigt Farzam sich dankbar für das Engagement vor Ort: „Der deutsche Arbeitsmarkt, die Bewerbungsverfahren und die Strukturen in Deutschland waren für mich komplett neu. Die Unterstützung, die ich hier erhalte, ist sehr wertvoll. Mir ist wichtig, in meiner neuen Heimat selbstständig zu leben und nicht auf andere angewiesen zu sein. So geht es nicht nur mir. Ich möchte zeigen, dass Menschen aus anderen Ländern auch eine Chance für Deutschland sein können“, erklärt er seine Motivation.
Das hiesige Bewerbungsverfahren ist in den meisten Fällen nicht mit dem Vorgehen auf dem Arbeitsmarkt der Herkunftsländer Geflüchteter vergleichbar. Riskes nutzt bei seiner Arbeit die zahlreichen Kontakte seines beruflichen Netzwerks. Dazu zählt neben der Flüchtlingshilfe und der Arbeitsagentur auch die kommunale Wirtschaftsförderung. Frank Grusen, Wirtschaftsförderer in Niederkrüchten, weiß die Zusammenarbeit zu schätzen: „Mit Blick auf den weiterhin bestehenden Arbeitskräftemangel sehe ich bei den Geflüchteten durchaus ein Potenzial für unsere Unternehmen. Sobald die ersten Sprachkenntnisse erlangt sind, begleiten wir den Weg in den Arbeitsmarkt daher sehr gerne. Dabei bringen wir gemeinsam auch unser Know-how darüber ein, welche Ausbildungsberufe derzeit die beste Perspektive bieten.“
Dass das Beispiel von Mohammad Ali Farzam nicht generell als Blaupause für alle Geflüchteten dienen kann, ist den Akteuren im Rathaus bewusst. „Die Menschen, die zu uns kommen, bringen verschiedene Qualifikationen und unterschiedliche Motivationen mit. Durch die regelmäßigen Kontakte wissen wir sehr genau, in welchen Fällen es Sinn macht, Geflüchtete mit den Unternehmen zu matchen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten begleiten wir sie auf dem Weg bis zum Abschluss des Arbeitsvertrags“, sagt Riskes.
Mohammad Ali Farzam hat noch zwei Jahre Ausbildung vor sich. „Er ist hoch motiviert und wir sind überzeugt, dass er seine Ausbildung erfolgreich abschließen wird“, sagt WILMS-Geschäftsführer Armin Feemers. „Er hat sich sehr gut in unser Unternehmen integriert und zeigt großes Engagement. Die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv, sodass wir uns grundsätzlich auch vorstellen können, weiteren Menschen mit Fluchthintergrund eine berufliche Perspektive zu bieten.“