Der achtjährige Max Hirsch, der zwanzigjährige Helmut Hoffstadt, die fünfzigjährige Berta Bruch – sie wohnten in Viersen. Sie wurden am 12. Dezember 1941 in einem Sammeltransport ins Ghetto Riga deportiert und dort ermordet. Die Erinnerung an sie und an tausende anderer um ihr Leben gebrachter Kinder, Frauen und Männer stand im Mittelpunkt der fünften Gedenkreise des „Riga-Kommitees“ in die lettische Hauptstadt. Gemeinsam mit 44 Delegierten aus 34 Mitgliedsstädten war auch die Stadt Viersen vertreten.
Das „Riga-Komitee“ hatte zu der Reise eingeladen, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisierte sie. Schwerpunkte waren die Erinnerung an Deportation und Ermordung jüdischer Menschen in Riga vor 85 Jahren und an die Einweihung der Gedenkstätte Riga-Bikernieki vor 25 Jahren. Ein zentraler Programmpunkt des mehrtägigen Aufenthaltes war deshalb der gemeinsame Besuch der Gedenkstätte. An diesem historischen Tatort mit 55 Massengräbern befindet sich auch die Gedenktafel der Stadt Viersen. Bikernieki ist Schauplatz eines der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte. Hier ermordeten nationalsozialistische Einsatzgruppen und ihre lettischen Hilfstruppen 1941 zehntausende jüdische Menschen. Mehr als 35.000 Menschen starben hier.
„Die Gedenkfahrt nach Riga erinnert uns daran, dass die Schicksale der deportierten Menschen untrennbar mit der Geschichte unserer Stadt verbunden sind. Indem wir ihrer gedenken, übernehmen wir Verantwortung für die Erinnerung und setzen zugleich ein Zeichen für Menschlichkeit, Demokratie und ein friedliches Miteinander. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus und Ausgrenzung wieder sichtbar werden, ist dieses Erinnern wichtiger denn je,“ sagt Viersens Bürgermeister Christoph Hopp.
Die Delegation besuchte weitere historische Gedenkorte wie Rumbula, den Bahnhof Skirotova und die Überreste des Konzentrationslagers Jungfernhof. Begleitet vom Direktor des Museums der Juden in Lettland, Ilya Lensky, kam es dort zu Begegnungen mit Kindern von Holocaust-Überlebenden. Ein besonderer Moment der Reise war die offizielle Gedenkveranstaltung zum lettischen Holocaustgedenktag an der Ruine der Großen Choral-Synagoge.
Im Mai 2000 schlossen sich auf Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) 13 deutsche Städte, aus denen die jüdische Bevölkerung nach Riga deportiert worden waren, zu einem Städtebündnis zusammen. Die Stadt Viersen trat am Montag, dem 14. Juni 2010, offiziell als 38. Mitgliedsstadt dem Deutschen Riga-Komitee bei.