Im Duisburger Hafen schlägt das Herz des Niederrheins. Die Metapher ist fast schon eine sachliche Feststellung, wie in den Zeiten des extremen Niedrigwassers wieder deutlich zu merken war. Wenn der Rhein als Lebensader zu wenig Wasser führt, stockt der gesamte Kreislauf im Westen, weil die Schiffe als lebenswichtige Transportzellen die Region nicht mehr versorgen können.
Niedrige Pegelstände reduzieren die Ladekapazität der Schiffe, erhöhen die Zahl der notwendigen Transporte und setzen bestehende Lieferketten unter Druck. Wie extrem die Situation in diesem Sommer war, zeigen die Tiefststände der vergangenen Wochen: In Duisburg-Ruhrort fiel der Pegel unter 130 Zentimeter. Besonders kritisch war die Situation am Pegel Kaub, dem Nadelöhr der Rheinschifffahrt: Dort sank der Wasserstand auf nur sieben Zentimeter, nach 25 Zentimetern im Jahr 2018. Auch am Niederrhein war die Schifffahrt dadurch deutlich eingeschränkt und nur mit geringerer Abladung möglich. Eine Verlagerung auf die Straße kann Transporte per Schiff nicht einmal ansatzweise kompensieren.
Schon vor zwei Wochen war NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer deshalb in Duisburg-Ruhrort am Duisport-Firmensitz, um mit Hafenchef Markus Bangen die Lage zu diskutieren. Abends konnte er sich noch das Feuerwerk zur Eröffnung des Hafenfests ansehen. Allerdings fand die Duisport-Party auf der Mercatorinsel hinter der neuen „Halle 2“ statt und nicht auf einem großen Personendampfer wie sonst – zu wenig Wasser im Rhein …
In diesem geschwächten Kreislauf werden niedrigwasseroptimierte Schiffe zu den entscheidenden Rettern. „Wenn wir mehr Güter auf der klimafreundlichen Wasserstraße transportieren wollen, müssen wir dafür sorgen, dass der Rhein auch bei Niedrigwasser leistungsfähig bleibt“, so Krischer beim Treffen mit Bangen.
Am vorvergangenen Freitag besuchte Krischer deshalb die „Courage“ im Duisburg-Ruhrorter Hafenmund, einem speziell für den Einsatz bei niedrigen Wasserständen optimierten Binnenschiff der Duisburger Reederei HGK Shipping. Die Courage schafft selbst bei den aktuell extremen Bedingungen am Pegel Kaub noch rund 500 Tonnen Ladung. Zum Vergleich: Ein 40-Tonnen-Lkw kann maximal 25 Tonnen laden. Die HGK Shipping setzt bei ihrer Flottenstrategie bereits konsequent auf Niedrigwassertauglichkeit. Bei ihren Neubauten werden unter anderem Rumpfform, Antrieb und Eigengewicht gezielt optimiert, um so auch bei geringeren Wassertiefen möglichst hohe Transportmengen bewegen zu können. Mit neun von derzeit 13 bekannten niedrigwasseroptimierten Neubauprojekten in Europa nimmt HGK Shipping damit eine führende Rolle bei der Entwicklung entsprechender Schiffskonzepte ein.
„Die Courage zeigt, was heute schon möglich ist: Auch bei niedrigen Pegeln können niedrigwasseroptimierte Binnenschiffe einen wichtigen Beitrag zur Stabilität unserer Lieferketten leisten“, so Steffen Bauer, CEO der HGK-Gruppe. „Die Branche ist bereit, in diese Zukunft zu investieren.“ HGK Shipping ist das beste Beispiel: Die Niedrigwasserschiffe wurden in Absprache und gemeinsam mit dem Partner aus der chemischen Industrie konzipiert und ohne jede Förderung gebaut. „Damit die notwendige Erneuerung der Flotte in die Breite kommt, braucht es jedoch einen verlässlichen Förderrahmen, der private Investitionen ermöglicht und mobilisiert“, so Bauer. Krischer: „Die Technik ist da. Die Unternehmen investieren. Jetzt muss der Bund die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen schaffen. Wir brauchen einen dauerhaften Förderrahmen für die Flotte.“