43. Duisburger Akzente Festival mit Ausrufezeichen

Duisburg · Mit dem „Zauberberg“ aus Dresden werden am 11. März im Theater Duisburg die 43. Duisburger Akzente eröffnet. Insgesamt 79 Veranstaltungen und 14 Ausstellungen werden unter dem Ausrufezeichen versammelt. Zentrale Spielorte neben dem Stadttheater sind die Liebfrauenkirche mit  zwölf und das Kreativquartier Ruhrort mit insgesamt 30 Veranstaltungen.

 In "Chez Moi Circus" lässt Didier André das Künstlerleben eines Jongleurs, der von seiner Partnerin verlassen wurde, spielend und zaubernd Revue passieren.

In "Chez Moi Circus" lässt Didier André das Künstlerleben eines Jongleurs, der von seiner Partnerin verlassen wurde, spielend und zaubernd Revue passieren.

Foto: Matthieu Hagene

Motto gibt‘s nicht: Nach den vorzeitig beendeten Duisburger Akzenten „Glück“ 2020 und den abgesagten Akzenten „Mauern“ im vergangenen Jahr wird hinter die Akzente diesmal einfach ein Ausrufezeichen gesetzt: Ja, sie finden statt! Man habe bewusst darauf verzichtet, den Akteuren ein aktuelles kulturell oder gesellschaftlich relevantes Thema vorzugeben, erklärt Karoline Hoell, Geschäftsleiterin der Duisburger Kulturbetriebe. Weil zahlreiche Produktionen, die 2020 oder 2021 ausfallen mussten, nachgeholt werden, werden einem beim Blick ins Programmheft aber öfter mal Mauern und, sowieso, Glück begegnen. Dem dadurch besonders vielgestaltigen Programm dann noch eine gemeinsame Überschrift zu verpassen, könnte da leicht zu gewollten oder verkrampften Ergebnissen führen, sagt Clemens Richert, der Projektmanager im Festivalbüro: „Das wirkt dann schnell aufgesetzt.“

Jedenfalls „für Familien geeignet“, so Clemens Richert, und umsonst und draußen ist am Eröffnungswochenende „El Gran Laberint“: ein riesiger, transparenter Irrgarten, dessen Wege und Türen sich nur öffnen, wenn knifflige Aufgaben gelöst werden. Die spanische Künstlergruppe Itinerània präsentiert das große Labyrinth am Samstag und Sonntag, 12. und 13. März, auf dem König-Heinrich-Platz und will damit diesen öffentlichen Ort in einen Ort des Staunens und Entdeckens verwandeln. Im Unterschied zum „großen“ Theatertreffen - mit u. a. dem „Zauberberg“, Molières „Geizigem“ und „Medea“ - ist das Programm in der Liebfrauenkirche eher kleinkünstlerisch ausgerichtet. Das wird schon im Titel der ersten Vorstellung dort, „8m³“ vom Atelier Lefeuvre & André aus Frankreich, deutlich: In acht Kubikmetern Bühnenvolumen gibt‘s zwei Solos mit minimalistischer Akrobatik und Jonglage.

 Die spektakuläre Dresdner Inszenierung von Thomas Manns „Der Zauberberg“ eröffnet am 11. März die 43. Duisburger Akzente.

Die spektakuläre Dresdner Inszenierung von Thomas Manns „Der Zauberberg“ eröffnet am 11. März die 43. Duisburger Akzente.

Foto: Sebastian Hoppe

Die Tänzer Avi Kaiser und Sergio Antonino haben einen eigenen kleinen Schwerpunkt im und rund um den Garten der Erinnerung und seinen Schöpfer Dani Karavan entwickelt. „Für uns ist das eine immense Freude“, sagt Avi Kaiser und schwärmt von diesem außergewöhnlichen und inspirierenden Ort. Ein Ort des Lebens, ein Ort der Kunst, so Kaiser, hier wird Shakespeares „Die ganze Welt ist eine Bühne“ so erlebbar wie sonst kaum in Duisburg. An allen Sonntagen vom 12. März bis 3. April zeigen Kaiser und Antonino im Earport am Philosophenweg Fotos von Sharon Zindany, der die beiden Tänzer in drei von Dani Karavans bekanntesten Werken fotografiert hat.

Ein starkes Ausrufezeichen setzt jedenfalls das Kreativquartier Ruhrort mit mehr als einem Drittel aller Akzente-Veranstaltungen. Coronabedingt und weil das „Plus am Neumarkt“ nicht so viel Platz bietet, finden viele der Lesungen und Konzerte dort zweimal statt. Filmforum und Lehmbruck-Museum zeigen ebenfalls Akzente-Programm, die Rheinoper schlägt ihr „Ufo“ am Kulturbunker Bruckhausen auf, und erstmals dabei ist die alte Brotfabrik in Beeck mit dem szenischen Live-Hörspiel „Rose and the War“ am 1. April. Eckart Pressler kann endlich den „Mercator-Jazz“ mit Tutu Poane, John Clayton und der WDR-Big-Band nachholen (25.3.).

 Dichter, Romanautor, Überstzer und Flaschensammler: Thomas Frahm berichtet in der Galerie auf Zeit "Intermezzo" von seinen Fundstücken und kuratiert und moderiert die Vortrags- und Lesungsreihe "So geht das nicht! (Aber anders!)" an den Sonntagen 20.3., 27.3. und 3.4..

Dichter, Romanautor, Überstzer und Flaschensammler: Thomas Frahm berichtet in der Galerie auf Zeit "Intermezzo" von seinen Fundstücken und kuratiert und moderiert die Vortrags- und Lesungsreihe "So geht das nicht! (Aber anders!)" an den Sonntagen 20.3., 27.3. und 3.4..

Foto: Gernot Schwarz

Nur eine Veranstaltung findet linksrheinisch statt, „In and Out“ vom Allerwelt-Ensemble am Samstag, 12. März, im Kom‘ma-Theater in Rheinhausen. Den Termin zu bekommen, sei schwierig genug gewesen, sagt Clemens Richert, da ja das Kom‘ma-Theater auch laufendes eigenes Programm habe. Und ansonsten sei er bei der Festivalplanung ja von den Einreichungen und Projektanträgen aus der freien Szene abhängig. Auch die Lust auf besondere Veranstaltungsorte treibe sie bei der Festivalplanung an, so Karoline Hoell, „und da ist uns auf der linken Rheinseite noch keiner untergekommen“. Da können wir fürs nächste Jahr nur auf Widerspruch bzw. Ausrufezeichen aus Rheinhausen, Homberg und Baerl hoffen.