Fünf Tage intensiver Austausch, gemeinsames Lernen und ein sichtbares Ergebnis: Die internationale Jugendbegegnung im Rahmen des LVR-Programms „Jugend gestaltet Zukunft – Internationale Jugendbegegnungen an Orten der Erinnerung in Europa“ ist in Mönchengladbach erfolgreich zu Ende gegangen. Vom 13. bis 17. April kamen acht Jugendliche aus Košice mit zwei Begleitpersonen nach Mönchengladbach; die Jugendwerkstatt „Die Villa“ war mit achtzehn Teilnehmenden vertreten. Im Zentrum der Woche stand das Programmziel, junge Menschen aus verschiedenen Ländern an Orten der Erinnerung zusammenzubringen und ihnen Räume zu eröffnen, in denen sie Geschichte, Gegenwart und das eigene Handeln miteinander in Beziehung setzen können. Dazu gehörte in Mönchengladbach unter anderem der Besuch von Erinnerungszeichen im Stadtgebiet sowie gemeinsame Aktivitäten, die über Grenzen hinweg Vertrauen, Zusammenarbeit und persönlichen Mut stärken.
Ein besonderer Höhepunkt war der gemeinsame Besuch des Hauses der Geschichte in Bonn, den Inga Ackermann vom Landschaftsverband Rheinland mehrere Stunden begleitete. Aus der Gruppe wurde dabei eine Beobachtung besonders häufig genannt: Geschichte bleibt nicht im Museum, sondern berührt das eigene Leben. Vanessa (17) aus Košice brachte es nach einer interaktiven Station so auf den Punkt: „Ich habe an diesem Tag verstanden, dass auch mein eigenes Datum, mein eigener Geburtstag, Teil der Geschichte ist.“ Den Abschluss und zugleich den sichtbaren Kern der Begegnung bildete das gemeinsame handwerklich-künstlerische Projekt: Aus selbst gestalteten Kacheln entstand in gemeinsamer Arbeit ein großformatiges „Bild“ als Symbol für die Zukunft. Die Kacheln wurden inhaltlich vorbereitet, gemeinsam gestaltet und zu einem Gesamtwerk zusammengesetzt. Für dieses Ergebnis der Begegnung wird derzeit gemeinsam mit dem LVR ein geeigneter Ausstellungsort in Mönchengladbach gesucht.
„Wenn junge Menschen aus zwei Ländern etwas mit den eigenen Händen schaffen, entsteht schnell ein anderes Miteinander. Man arbeitet zusammen, man erklärt, man hört zu – und am Ende steht etwas, das bleibt“, sagt Andrea Wickerath, Projektleiterin der Jugendwerkstatt „Die Villa“. „Genau diese Verbindung aus Begegnung, Erinnerung und handwerklicher Arbeit macht das Programm so wirksam.“ Auch Dr. Georg Wolf, Geschäftsführer des Berufsbildungszentrums Mönchengladbach, betont den Praxisbezug des Formats: „Das Programm zeigt, wie die internationale Jugendbegegnung konkret werden kann: nicht abstrakt, sondern über gemeinsames Tun, über Gespräche auf Augenhöhe und über ein Ergebnis, das sichtbar ist. Das handwerkliche Projekt ist dafür ein starkes Zeichen.“
Der Blick richtet sich nun nach vorn: Der Gegenbesuch der „Villa“-Teilnehmenden in Košice ist für den Herbst geplant. Die Jugendwerkstatt „Die Villa“ – der Name steht für den früheren Ausbildungsort auf dem Gelände der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach – stabilisiert sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf. In hauseigenen Werkstätten erproben sie verschiedene Berufsfelder und bereiten sich auf das Berufsleben vor. Sozialpädagogische Fachkräfte begleiten sie individuell.