Bürgerinitiative kämpft für Liedberger Haag Der Wald steht still und leidet

Liedberg · Platt getrampelte kahle Hänge, skelettierte Baumwurzeln, Totholz, das zu Iglus aufgeschichtet seine Aufgabe als Feuchtigkeitsspeicher nicht mehr erfüllen kann: In dem kleinen Naturschutzgebiet Liedberger Haag kämpft die Natur ums Überleben. Die neue Bürgerinitiative Liedberger Haag will retten, was zu retten ist.

Christiane Todt-Höhndorf und Jörg Florenz wollen bei den Waldbesuchern, die sich regelmäßig an den winzigen Verbotsschildern vorbei mogeln, um Verständnis für den Wald werben.

Christiane Todt-Höhndorf und Jörg Florenz wollen bei den Waldbesuchern, die sich regelmäßig an den winzigen Verbotsschildern vorbei mogeln, um Verständnis für den Wald werben.

Foto: RBAV/Ulrike Mooz

Mountainbiker brettern über die Hänge, Fernlenkautos heizen über Natur-Buckelpisten, unangeleinte Hunde buddeln tiefe Löcher, Spaziergänger trampeln jenseits der ausgewiesenen Wege das Unterholz platt, graben Pflanzen für den heimischen Garten aus und Eltern rücken mit Bohrern und Schrauben an, um Totholz seiner natürlichen Funktion zu entreißen und für ihre Kids Iglus und Baumhäuser draus zu bauen. Sobald ein bisschen Schnee liegt, wird gerodelt, was das Zeug hält.

Die im Liedberger Haag verheerende Schäden anrichten, sind oftmals Menschen, die sich selbst als Naturliebhaber sehen, würden sie sonst ihre Freizeit im Wald verbringen? „Das ist alles gut und schön, solange es nicht im Naturschutzgebiet passiert“, sagt Jörg Florenz, der in Liedberg aufgewachsen ist und mit anderen Naturschützern die Bürgerinitiative (BI) Liedberger Haag gegründet hat, „und schon gar nicht in so einem kleinen“. Das Minigebiet ist nämlich nur 700 mal 300 Meter groß und verkraftet den zunehmenden Strom von Freizeitaktivisten nicht. „Das Naturschutzgebiet ist kein Abenteuerspielplatz“, sagt Christiane Todt-Höhndorf. Natürlich sei es besser, die Freizeit im Wald als drinnen mit dem Handy zu verbringen, aber nicht auf Kosten der Natur.

Die Autos auf dem Waldparkplatz hätten Nummernschilder von Mönchengladbach bis Duisburg und es gäbe für alle genug Wald, der nicht unter Naturschutz stehe, im Naherholungsgebiet Hardter Wald zum Beispiel, oder man könne Outdoorangebote an der Neusser Skihalle nutzen.

Die Stadt Korschenbroich schreibt auf ihrer Website: „Zum Erhalt und Schutz des Waldes dürfen diese [...gekennzeichneten Wege] nicht verlassen werden.“ Aber genau das tun viele. Die BI hat beim Ordnungsamt und in der Forstdienststelle Schulterzucken geerntet, da könne man nichts machen. „Wenn man die Touristen direkt anspricht, wird man beschimpft“, sagt Christiane Todt-Höhndorf. Der Heimatverein hat Aufforstungsprojekte gestartet, aber all das ist wohl ein Tropfen auf den heißen Stein.

Um eine Einschätzung des tatsächlichen Zustand des Waldes zu bekommen, hatte die BI den Förster Josef Eichler, von Wohllebens Waldakademie, engagiert. Seiner Meinung nach gehe noch was, so die BI – wenn das Treiben im Wald aufhört.

Immer wieder versucht die BI, die vielen unerlaubten Trampelpfade mit Baumstämmen zu versperren. Am Besten wäre es, überall Bodendecker, zum Beipiel Brombeeren, zu pflanzen“, findet Andreas Höhndorf.

Mit Flyern will die Bürgerinitiative jetzt um Verständnis für den Wald werben. „Das Maß ist voll“, sagt Jörg Florenz. Und Christiane Todt-Höhndorf zitiert Matthias Claudius‘ berühmtes Abendlied in abgewandelter Form: „Der Wald steht still und leidet...“

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