Konfirmation 2026: Wie sich Erwartungen in Familien verschoben haben

Lange Zeit gehörte die Konfirmation zum Aufwachsen von Jugendlichen fest dazu. Der Termin war von vornherein gesetzt, der Ablauf war klar und die Erwartungen waren eindeutig. Mittlerweile zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Familien gehen unterschiedlich mit dem Anlass um, die Jugendlichen entscheiden sich bewusster für oder gegen die Teilnahme an dem Brauch und auch die Feier selbst hat sich verändert. Zwischen der Tradition, der eigenen Haltung und neuen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist ein Spannungsfeld entstanden, mit dem unterschiedlich umgegangen wird.

Wandel der Geschenkerwartungen

Während in materieller Hinsicht früher Bargeld, Bücher mit religiösem Inhalt oder Goldgeschenke Konfirmation und Feier prägten, werden Geschenke heute oft deutlich individueller ausgewählt. Aber auch wenn durchaus ein Computerspiel oder technische Geräte zu den Geschenken gehören können, sind die Klassiker weiterhin sehr verbreitet. Sowohl die Familien der Beschenkten als auch die Konfirmanden selbst schätzen daran folgendes:

  • die symbolische Bedeutung
  • den klaren Bezug zum Anlass
  • die generationenübergreifende Akzeptanz
  • die Unabhängigkeit von kurzlebigen Trends.

Konfirmationsgeschenke im klassischen Stil werden häufig lange in Ehren gehalten und sind darüber hinaus auch eine beständige Form der materiellen Absicherung.

Zwischen Selbstverständlichkeit und bewusster Entscheidung

Wer evangelisch getauft war, wurde früher auch in Nordrhein-Westfalen nahezu selbstverständlich konfirmiert. Heute ist dies kein Automatismus mehr. Vielmehr ist es üblich, dass sich die Jugendlichen im entsprechenden Konfirmationsalter ganz bewusst dafür oder dagegen entscheiden. Nach wie vor verläuft diese Entscheidung aber nicht in allen Familien ohne Diskussion, auch wenn sie am Ende normalerweise akzeptiert wird. Insbesondere für viele Ältere stellt die Konfirmation weiterhin einen selbstverständlichen Bestandteil des Erwachsenwerdens dar und es ist für sie daher nur schwer zu verstehen, wenn Jugendliche dies hinterfragen.

Die Feier: zwischen Tradition und Individualität

Konfirmationen werden heute anders als früher gefeiert. Der klassische Gottesdienst mit einer anschließenden Familienfeier ist zwar weiterhin üblich, dies findet allerdings oft nicht mehr im so großen Kreis wie früher statt. Manche Familien verzichten bewusst auf große Veranstaltungen und die Konfirmanden selbst entscheiden mehr mit, wie die Feier ablaufen soll. Auch wenn die traditionellen Abläufe nicht mehr ganz so ernst genommen werden, werden sie dennoch weiterhin geschätzt. Es geht nicht darum, wie „heutzutage unbedingt gefeiert werden muss“, sondern vor allem darum, eine Form zu wählen, die zu der Familie und zum Jugendlichen selbst passt.

Die Rolle der Familie im Entscheidungsprozess

Heute entscheidet nicht mehr automatisch die ältere Generation über die jüngere. Eltern und Großeltern haben eine andere Rolle als früher. Entscheidungen werden häufig gemeinsam getroffen und Erwartungen können offen angesprochen werden.

In einigen Familien gibt es zwar immer noch die klassischen Erwartungen, und es ist oft auch für die Konfirmanden selbst ganz natürlich, sich nicht dagegenzustellen. Wenn jemand bewusst einen anderen Weg wählen möchte, ist dies jedoch nur noch in wenigen Familien ein Tabuthema.

Was von der Konfirmation bleibt

Trotz aller Veränderungen hat die Konfirmation ihren festen Platz behalten. Sie ist für viele weiterhin ein Übergangsmoment zwischen Kindheit und Jugend. Der Rahmen ist flexibler geworden, die Erwartungen weniger sind eindeutig. Klassische Elemente existieren neben neuen Formen, ohne sich gegenseitig auszuschließen. Gerade diese Offenheit macht den Anlass für viele Familien anschlussfähig. Die Konfirmation 2026 steht damit weniger für ein starres Ritual als für einen Moment, der individuell gestaltet wird und dennoch eine lange Tradition fortführt.