Studierende aus Krefeld entwickeln Anlage zur Medikamenten-Produktion Fiebersaft-Mangel: „Wir haben die Lösung!“

Krefeld (red) · Mehr als 300 Arzneimittel fehlten zeitweise in deutschen Apotheken – dieser brandaktuellen Problematik haben sich jetzt Studierende des Fachbereichs Chemie an der Hochschule Niederrhein gewidmet und eine Anlage entwickelt, die gleich mehrere Probleme lösen könnte.

 Prof. Dr.-Ing. Heyko Jürgen Schultz mit drei Projektteilnehmerinnen.

Prof. Dr.-Ing. Heyko Jürgen Schultz mit drei Projektteilnehmerinnen.

Foto: Hochschule Niederrhein

Weil die Rohstoffpreise und Lohnkosten in den USA und vor allem Asien deutlich günstiger als in Europa sind, lassen viele Pharma-Hersteller lieber auswärts produzieren. Diese Abhängigkeit hat Folgen, denn wegen dortiger Lieferengpässe bleiben auch hierzulande die Regale in vielen Apotheken leer. Die Lösung für dieses Problem könnte aus Krefeld kommen: Zwanzig Master-Studierende der Technischen Chemie an der Hochschule Niederrhein entwickelten unter der Leitung von Professor Dr.-Ing. Heyko Jürgen Schultz ein ausgefeiltes Konzept für eine Multiproduktanlage. Sie kann mindestens vier Wirkstoffe als Tablette oder Fiebersaft herstellen.

Geplant hat die Projektgruppe mit den absoluten Standard-Wirkstoffen Paracetamol, Aspirin, Diclofenac und Ibuprofen – hiervon könnte die Anlage könnte mindestens die doppelte Menge von dem erzeugen, was die Deutschen jährlich konsumieren, um weite Teile Europas mit beliefern zu können: „Möglich wären 360.000 Tabletten und 2700 Fiebersaftflaschen pro Stunde.“ Die Anlage soll auch so konzipiert sein, dass sie für weitere knappe Wirkstoffe erweiterbar ist.

Mithilfe eines modernen Verfahrens werden Stoffgemische online während des Herstellungsablaufs analysiert. „Dieses ausgeklügelte Analytik-Verfahren spart langwierige Transportwege zu den Laboren – und damit Zeit“, erklärt Prof. Heyko Jürgen Schultz. Außerdem trage es den Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz Rechnung: Wenn Fehler frühzeitig erkannt werden, kann die betroffene Charge noch im Produktionsverlauf verbessert werden. Die Produktausbeute wird höher, der Ausschuss minimiert.

„Wir haben hervorragend ausgebildete Chemikerinnen und Chemiker, Chemieingenieurinnen und –ingenieure an unser Hochschule, die eine Detailplanung samt Unterlagen zur Anlagengenehmigung vorgenommen haben“, lobt Schultz. Er ist sich sicher: Für Unternehmen könnte die Machbarkeitsstudie eine gute Vorlage sein, eine solche Anlage umzusetzen. „Ich bin überzeugt, dass das finanzierbar ist“, meint Schultz, der selbst viele Jahre in der Chemie-Industrie gearbeitet hat.