Aluminium vs. Urin Hundeurin „fällt“ Laternen

Viersen · Eine dreistellige Zahl von Laternenmasten im Viersener Stadtgebiet sind nicht mehr standsicher und müssen entfernt werden. Grund: Hundeurin.

 Hier sieht man das weiße Aluminumoxid, das sich durch das Hundeurin am Laternenmasten entwickelt hat.

Hier sieht man das weiße Aluminumoxid, das sich durch das Hundeurin am Laternenmasten entwickelt hat.

Foto: Stadt Viersen

Die Stadt Viersen muss eine Vielzahl von Laternen austauschen. Betroffen sind die Beleuchtungen, deren Masten aus Aluminium bestehen. Das Material reagiert mit Bestandteilen von Hundeurin. Wird eine Laterne zu oft „markiert“, leidet die Standsicherheit. Gefährdet sind Laternen, die in unbefestigtem Gelände stehen.

Aufgefallen war dies vor einigen Wochen nach einem Sturm. An der Hegeau-Promenade war ein Alumast abgeknickt. Die Reste der Verkabelung sind noch am Anfang der Promenade an der ersten Brücke zu sehen. Da dieser Mast der erste in der Reihe ist, bietet er den Hunden den ersten Anlaufpunkt, um ihr Geschäft zu verrichten. Möglicherweise ist dieser Mast deswegen als erster gebrochen.

Das Ammoniak im Hundeurin, Salze, Wasser und das Aluminium reagieren miteinander. Diese chemische Reaktion führt zu Korrosion. Im Ergebnis schwächt dies den Mast so sehr, dass er nicht mehr standsicher ist. Kommen weitere Umstände hinzu, etwa starker Wind, knickt der Mast ab.

Eine Sichtprüfung hat ergeben, dass nahezu jede Laterne an der Promenade das gleiche Schadensbild zeigt. Ein Fachunternehmen hat daraufhin den Auftrag erhalten, die Masten genauer auf Beschädigungen zu prüfen. Dazu wurde unter anderem ein extra dafür konstruiertes und geprüftes Gerät eingesetzt. Das Gerät belastet die Masten mit einem Druck von 400 Kilogramm.

Bei den bisherigen Prüfungen hat sich herausgestellt, dass keiner der geprüften Masten noch lange halten wird. Die Prüfer stellten die Standsicherheit über den Monat Mai hinaus in Frage. Die Stadt muss daher aus Gründen der Verkehrssicherheit sofort handeln.

In der vergangenen Woche wurde begonnen, die Masten in einer Höhe von 1,30 Meter abzuschneiden. Die Reststücke wurden mit Absperrband gesichert und die Leuchtköpfe vorher abgenommen. Sie dienen künftig als Ersatzteile für andere Laternen in der Stadt.

Die Masten sollen durch Stahlmasten ersetzt werden. Die Erfahrung zeigt, dass Laternen mit einer Stahlmanschette am Fuß dem Hundeurin deutlich mehr Widerstand entgegensetzen und eine längere Lebenszeit erreichen. Die Stadt Viersen wird in Zukunft grundsätzlich keine Aluminiummasten mehr für neue Laternen verbauen.

Zurzeit gibt es jedoch enorme Lieferengpässe für den Ersatz aus Stahl. Es ist daher nicht absehbar, wann die Laternen wieder in Betrieb gehen können. Die bislang an den Laternenmasten montierten Schilder werden abmontiert. Sie werden an klassischen Stahlrohren festgemacht. Die Prüfung der Laternen wird weiter fortgesetzt. Aktuell ist bereits eine dreistellige Zahl von Masten gefunden worden, die nicht länger stehen bleiben können. Angesichts der noch laufenden Prüfungen einerseits und der Entwicklungen auf dem Markt andererseits können derzeit die Kosten für den Austausch noch nicht bestimmt werden.