In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Arbeitsweise der modernen Schmerztherapie und konkrete Anwendungen in den Kliniken unserer Region.
Akute Schmerzen gezielt behandeln
Akute Schmerzen haben eine wichtige Warnfunktion. Sie weisen beispielsweise auf eine Verletzung oder Entzündung hin. Nach Operationen oder Verletzungen geht es zunächst darum, die Ursache zu behandeln und unnötig starke Schmerzen zu vermeiden.
Dafür gibt es verschiedene Medikamente, etwa Paracetamol, und Entzündungshemmer wie Ibuprofen. Bei stärkeren Schmerzen kann man unter bestimmten Voraussetzungen auch Opioide einsetzen. Diese sind wirksam, verursachen aber starke Nebenwirkungen und machen bei längerer Anwendung abhängig.
Eine neue Anwendung ist die PCA (Patientenkontrollierte Analgesie). Sie ermöglicht es den Patienten nach einer Operation, sich über eine spezielle Pumpe bei Bedarf selbst Schmerzmittel zuzuführen.
Auch moderne Verfahren der Regionalanästhesie spielen eine wichtige Rolle. Dabei unterbricht man gezielt die Schmerzleitung in einem bestimmten Bereich des Körpers. Das kann nach Operationen die notwendige Menge anderer Schmerzmittel reduzieren.
Diese Verfahren werden beispielsweise im Helios Klinikum Krefeld erfolgreich angewendet.
Wenn der Schmerz chronisch wird
Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei Monate bestehen. In dieser Situation verändert sich die Zielsetzung. Nicht immer lässt sich die ursprüngliche Ursache vollständig beseitigen. Nun geht es darum, Schmerzen zu reduzieren und außerdem die Beweglichkeit und die Selbstständigkeit zu erhalten.
Die moderne Schmerzmedizin arbeitet nach einem biopsychosozialen Modell, das körperliche Faktoren ebenso wie psychische und soziale Einflüsse berücksichtigt.
Multimodale Schmerztherapie verbindet mehrere Ansätze
Besonders bei länger bestehenden und komplexen Beschwerden kann eine multimodale Behandlung sinnvoll sein. Dabei arbeiten verschiedene Fachrichtungen zusammen, beispielsweise Schmerzmedizin, Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie. Ergänzend kommen Bewegungstraining und Entspannungsverfahren dazu.
In der Schmerzklinik des St. Josefshospitals Uerdingen gibt es ein solches interdisziplinäres Team, das chronische Schmerzen nach einem multimodalen Konzept behandelt. Das Ziel der Behandlungen besteht vor allem darin, Aktivität und Sicherheit im Alltag zu ermöglichen.
Physiotherapie und Bewegung statt Schonung
Bei vielen Beschwerden des Bewegungsapparats ist Bewegung ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Eine Schonhaltung kann Muskeln schwächen und die Belastbarkeit weiter reduzieren. Physiotherapie hilft dabei, Bewegungsabläufe zu verbessern, Muskulatur aufzubauen und den Körper wieder an Belastung zu gewöhnen.
Dabei wird das Training individuell angepasst. Bei akuten Verletzungen gelten andere Regeln als bei chronischen Rückenschmerzen oder Nervenschmerzen.
Auch psychotherapeutische Verfahren können Bestandteil einer modernen Schmerzbehandlung sein. Verhaltenstherapeutische Methoden können helfen, mit schmerzbedingten Einschränkungen, Angst vor Bewegung oder Stress besser umzugehen. Dazu kommen als Ergänzung Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung.
Interventionelle Verfahren für bestimmte Schmerzursachen
Wenn Medikamente und konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, sind interventionelle Verfahren eine weitere Möglichkeit. Dazu gehören gezielte Injektionen an Nervenwurzeln oder Gelenke sowie Verfahren zur Beeinflussung der Schmerzleitung.
Das Hospital zum Heiligen Geist in Kempen wendet Verfahren wie bildgesteuerte Injektionen von Medikamenten an Nervenwurzeln etwa von wirbelsäulennahen Nerven sowie Injektionen in Gelenke der Wirbelsäule an.
Cannabis als neue Option
Mittlerweile ist auch medizinisches Cannabis ein möglicher Bestandteil der Schmerztherapie. Es kommt infrage, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken oder zu starke Nebenwirkungen verursachen.
Bei der Verschreibung berücksichtigt der behandelnde Arzt die individuellen Beschwerden, andere Medikamente und mögliche Risiken. Strenge Regelungen und moderne Technologien ermöglichen inzwischen den sicheren Online-Kauf von medizinischem Cannabis, wobei man sich auch über Details wie die verschiedenen Wirkungen bestimmter Cannabissorten informieren kann.
Was moderne Schmerzmedizin leistet
Moderne Schmerztherapie bedeutet nicht nur die Suche nach dem am besten geeigneten Schmerzmittel. Im Mittelpunkt steht eine individuell passende Kombination verschiedener Maßnahmen. Medikamente können notwendig sein, stellen aber nicht mehr die einzige Säule der Behandlung dar.
Bei chronischen Beschwerden können Bewegung, Physiotherapie, psychotherapeutische Verfahren und medizinische Interventionen kombiniert werden. Ein Beispiel dafür ist das umfassende Schmerzmanagement in den Sana Kliniken Duisburg. Dort gibt es einen 24 Stunden ärztlich besetzten Akutschmerzdienst, speziell geschulte „Pain Nurses“ sowie individuelle schmerztherapeutische Konzepte und eine konsiliarische Mitbetreuung bei besonderen Fragestellungen.
Fazit: Von der Betäubung zum ganzheitlichen Ansatz
Früher funktionierte Schmerzmedizin nach dem Schema: Schmerz messen, Medikamente geben, Behandlung beenden. Moderne Konzepte versuchen, die Ursachen und Verstärker von Schmerzen möglichst umfassend zu verstehen und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten sinnvoll zu verbinden. Gerade bei chronischen Beschwerden kann dieser ganzheitliche Ansatz neue Wege eröffnen, wenn eine einzelne Therapieform nicht ausreichend geholfen hat.