Gemeinsam auftreten, gemeinsam wirken: So stärken Vereine im Niederrhein ihre Gemeinschaft

In Deutschland gibt es in der Summe mehr als 600.000 Vereine. Auch in der Region Niederrhein spielen diese im täglichen Leben eine Schlüsselrolle. Von Mönchengladbach bis nach Heinsberg treffen sich Menschen im Schützen- oder Sportverein, in Kleingärtnervereinen oder beispielsweise als Karnevalsgesellschaft. Die geteilten Interessen sind oftmals der erste gemeinsame Nenner, aber das Zusammengehörigkeitsgefühl und die aktive Beteiligung sind nicht minder wichtig. Das müssen auch die Vereine selbst bedenken.

Gemeinsame Ziele und Beteiligung als Basis des Vereinslebens

Vereine sind mehr als "nur" ein Zeitvertreib, wobei dieser an und für sich natürlich schon ein Vorteil ist. Allen voran begreifen Menschen ein Engagement in einem Verein als sinnstiftend. Gemeinsam an einer Sache zu arbeiten, die den eigenen Interessen und/oder Werten entspricht, das schafft eine wichtige soziale Verbindung. Deshalb sind Vereine oftmals auch für zugezogene Menschen, die in der Region noch nicht viele Bekanntschaften geschlossen haben, eine wichtige Anlaufstelle, um neue Menschen kennenzulernen.

Der Verein schafft dafür die Strukturen. Deshalb spielt es eine wichtige Rolle, wie dieser sich sowohl nach innen als auch nach außen präsentiert. Menschen "opfern" ihre Freizeit im Regelfall nicht "einfach so". Sie suchen also ein sinnstiftendes, gemeinsam geteiltes Ziel, das wiederum der Verein selbst klar kommunizieren und vorleben muss. Dazu gehören eine offene und transparente Kommunikation ebenso wie die Möglichkeit für Mitglieder, sich proaktiv in den Verein einzubringen und diesen mitgestalten zu können. So fühlen sich jüngere wie ältere Mitglieder gleichermaßen ernst genommen und wertgeschätzt.

Der Informationsfluss in einem Verein sollte also keine Einbahnstraße und in jedem Fall nicht wie in einem strikten Konzern aufgebaut sein. Das Ziel muss stattdessen ein offener Dialog auf Augenhöhe sein. Schwierig zu realisieren ist das nicht, mit regelmäßigen Versammlungen, digitalen Austauschmöglichkeiten und persönlichen Gesprächen bieten sich viele unterschiedliche Optionen an. Letztlich laufen diese auf ein höhergestelltes Ziel hinaus: Mitglieder müssen nicht nur angehört werden, sondern das Gefühl haben, tatsächlich gehört und verstanden zu werden. So identifizieren sich diese stärker mit dem Verein. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass sie eigene Bekanntschaften in den Verein einbringen oder schlichtweg selbst dem Verein länger erhalten bleiben.

Gemeinsame Erlebnisse verbinden Generationen

Der Verband Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ) verdeutlicht mit eigenen Erhebungen, dass Vereinsmitgliedschaften keine festen Altersgrenzen kennen. Beinahe 60 % der Deutschen sind oder waren einmal Mitglied in wenigstens einem Verein. Der Großteil davon sind wiederum kleine Vereine, die nicht mehr als 100 Mitglieder zählen. Sie sind besonders bedroht, wenn ältere Mitglieder ihr Engagement einstellen (müssen) und kein neuer Nachwuchs mehr nachkommt.

Aus diesem Grund sollten Vereine Brücken zwischen den Generationen bauen. Das gemeinsame Miteinander beschränkt sich idealerweise nicht nur auf die Vereinsräume. Ausflüge, Veranstaltungen und Vereinsfeste sorgen dafür, dass sich die Mitglieder über alle Altersgruppen hinweg in einem lockeren und eher privat verstandenen Ambiente kennenlernen können. Zudem gibt es auch noch die Möglichkeit, Aktionstage oder Turniere zu veranstalten, ebenso wie die der gemeinsamen Arbeitseinsätze. Letzteres ist unter anderem bei einem der zahlreichen Feste in der Region möglich. Genau dort werden quasi immer händeringend Helfer und Helferinnen gesucht.

Der Austausch zwischen den Generationen ist nicht nur der Stimmung im Verein zuträglich, er kann ebenso belastbare Vorteile mit sich bringen. Ältere Mitglieder sind mit dem Vereinsleben nicht selten schon mehrere Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte vertraut. Sie haben wertvolles Wissen, das sie an jüngere Generationen weiterreichen können. Selbige wiederum haben ihr ganz eigenes Know-how, sei es im Hinblick auf digitale Tools, die Vermarktung in sozialen Netzwerken oder einfach, wenn es um unkonventionelle und frische Ideen für kommende Events geht. Dieser Austausch stellt die Weichen auf gemeinschaftliche Erfolge und ein Miteinander auf Augenhöhe, was dem Verein in seiner Ganzheit ebenso wie dem Zugehörigkeitsgefühl eines jeden einzelnen Mitglieds zugutekommt.

Vereinsidentität sichtbar machen und neue Mitglieder gewinnen

Was selbst viele Menschen aus der Region nicht wissen: 94 % der organisierten Zivilgesellschaft in NRW entfallen auf Vereine. Die verbleibenden 6 % werden allen voran durch Stiftungen gefüllt. Vereine sind also zwar omnipräsent, aber nicht unbedingt so sichtbar, wie sie es gern sein würden oder aufgrund eines Mitgliederschwunds sogar müssten. Der erste Schritt hin zu einer sichtbaren und spürbaren Vereinsidentität ist immer das schon angesprochene Gemeinschaftsgefühl. Eine gesunde Vereinskultur muss das Fundament sein, denn es wird automatisch schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen, wenn es daran fehlt und auch keine Empfehlungen der Bestandsmitglieder im Bekanntenkreis ausgesprochen werden.

Die Bemühungen des Vereins und seiner Verantwortlichen sollten an dieser Stelle aber nicht aufhören. Identität lässt sich auch schaffen und vorleben, indem beispielsweise eine einheitliche Vereinskleidung bereitgestellt wird. Der Klassiker sind bedruckte T-Shirts im Vereinsdesign. Ob bei Wettkämpfen, Stadtfesten oder öffentlichen Aktionen, sofern die Mitglieder einheitlich und gut erkennbar gekleidet sind, tragen sie den Verein nach außen. Das erleichtert potenziell Interessierten zudem, auf die Mitglieder zuzugehen. Selbst wenn das Interesse zunächst nur vage bleibt, schafft sich der Verein trotzdem eine regionale und lokale Präsenz. Diese hat dann den größten Effekt, wenn Sichtbarkeit nicht nur einmalig, sondern regelmäßig nach außen getragen wird. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich potenzielle Neumitglieder zu einem späteren Zeitpunkt dann doch noch für einen Vereinsbeitritt entscheiden - oder wenigstens mehr Informationen in Erfahrung bringen möchten.

Gemeinschaft entsteht nicht zufällig, sondern als Produkt einer klaren Strategie

Niedrigschwellig zugänglich sollten Vereine immer sein. Allein der Zugang führt aber noch zu keiner Gemeinschaft. Damit aus losen Mitgliedern eine Gemeinschaft entsteht, müssen Verbindungspunkte geschaffen und symbolische Brücken gebaut werden. Momente gemeinsam erleben und teilen, das Vereinsleben aktiv mitgestalten und im öffentlichen Raum als Einheit sichtbar und präsent sein: Das sind wichtige Eckpfeiler für überlebensfähige Vereine der Zukunft. Die Verantwortung dafür muss nicht auf wenigen Schultern liegen. Im Gegenteil, genau da könnte man ansetzen, um die Weichen bereits auf eine enger miteinander verbundene Vereinsgemeinschaft zu stellen.