Sicher rund um die Geburt gelotst

Mönchengladbach · In neun Monaten Schwangerschaft bereiten sich junge Eltern auf die neue Lebenssituation so gut vor wie sie können. Doch dann ist das Baby da und es kommen viele unerwartete Fragen auf. Die Fachstelle Frühe Hilfen der Stadt, das Eli und das Krankenhaus Neuwerk wollen Eltern jetzt per Lotsendienst sicherer durch die herausfordernden Wochen rund um die Geburt bringen.

Freuen sich über das gut gestartete Projekt (v. l.): Samira Hlaouit, Leitung Fachstelle Frühe Hilfen, Dörte Schall, Sozialdezernentin, Dr. Ralf Dürselen, Chefarzt der Geburtsklinik im Krankenhaus Neuwerk, Dr. Harald Lehnen, Chefarzt der Geburtsklinik im Eli, Yvonne Messerschmidt, Lotsendienst Krankenhaus Neuwerk und Grit Grüttner, Lotsendienst im Eli.

Freuen sich über das gut gestartete Projekt (v. l.): Samira Hlaouit, Leitung Fachstelle Frühe Hilfen, Dörte Schall, Sozialdezernentin, Dr. Ralf Dürselen, Chefarzt der Geburtsklinik im Krankenhaus Neuwerk, Dr. Harald Lehnen, Chefarzt der Geburtsklinik im Eli, Yvonne Messerschmidt, Lotsendienst Krankenhaus Neuwerk und Grit Grüttner, Lotsendienst im Eli.

Foto: Andreas Baum

Seit dem 1. Oktober läuft das neue Projekt der Fachstelle Frühe Hilfen des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie der Stadt Mönchengladbach, das über das Förderprogramm Kinderstark –NRW- schafft Chancen finanziert wird. Die Fachstelle Frühe Hilfen selbst besteht seit zehn Jahren und hat in dieser Zeit bereits über 600 Familien mit über 1000 Kindern unterstützt. Funktionieren kann das Ganze nur durch ein großes Netzwerk und die Kooperation mit freien Trägern wie proFamilia, den Caritasverband und den Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Mönchengladbach, über die u. a. Familienhebammen, -pflegerinnen und -patenschaften vermittelt werden.

Das ist auch das Prinzip hinter dem neuen Lotsendienst. Dabei werden Schwangere und Wöchnerinnen, die in der Städtischen Kliniken Mönchengladbach (Eli) oder im Krankenhaus Neuwerk entbinden, vor Ort von den Frühe-Hilfen-Lotsen besucht, sensibel auf Fragen und mögliche Verunsicherungen „abgeklopft“ und über mögliche Unterstützung informiert.

Die beiden „Lotsen“ Grit Grüttner (Eli) und Yvonne Messerschmidt (Neuwerk) berichten von durchweg positiven Erfahrungen bei ihren ersten Kontakten. „Wir schauen in strahlende Gesichter“, sind sie sich einig und erzählen von je einer Begegnung. Da ist die 19-jährige Mutter, deren Baby zu wenig Gewicht hat und die überfordert ist. Und die junge Mutter aus Syrien, die gut Deutsch spricht, aber mit dem hiesigen Gesundheitssystem nicht zurechtkommt. Beiden konnte geholfen werden.

„Ohne Einbettung in das Team der jeweiligen Geburtsstation wäre das Projekt nicht möglich“, betont Samira Hlaouit, Leiterin der Fachstelle Frühe Hilfen. Viel Zuspruch kommt auch von den Chefärzten der Geburtskliniken. Dr. Ralf Dürselen vom Krankenhaus Neuwerk spricht von einem „guten Ansatz“, der gerade im Hinblick auf den gesellschaftlichen Strukturwandel wichtig sei. Denn Eltern und Schwiegereltern seien heutzutage nicht immer da, wenn es darum gehe, ein Baby zu versorgen. „Das Jugendamt, die Kliniken müssen das oftmals ersetzen...“

Dr. Harald Lehnen von der Eli-Geburtsklinik bestätigt das und sieht einen stark gestiegenen Informationsbedarf: „Früher war es ruhiger, heute kommen Anrufe im Drei-Minuten-Takt, oft mit banalen Fragen zum Beispiel zu Stilleinlagen....“

Sozialdezernentin Dörte Schall schließlich macht darauf aufmerksam, dass sich die Verunsicherung rund um die Geburt quer durch alle Schichten einstellen kann. Unterstützung werde oft nicht eingefordert. „Die einen haben Angst vorm Jugendamt, für die anderen ist es eine Schwäche.“ Umso wichtiger ist das neue niedrigschwellige Angebot des Lotsen-Dienstes.