Radikalität und Sanftheit im Schlosstheater Moers Nachbar Nazi

Moers · Das Schlosstheater Moers beginnt seine neue Spielzeit mit „Über Menschen“ nach dem Roman von Julie Zeh. Premiere ist am Mittwoch,  31. August, um 19.30 Uhr im Schloss.

Wir hängen alle in der Luft ...

Wir hängen alle in der Luft ...

Foto: Christian Nielinger

„Radikalität und Sanftheit“ hat sich das Schlosstheater als Überschrift für die Spielzeit 2022/23 gegeben, und da setzt „Über Menschen“ gleich den ersten Punkt mit einem Drama aus Idyll und Grauen. Im Roman geht’s um eine linksliberale Bürgerin, in der Werbung tätig, die aus Berlin in ein Dorf in Brandenburg flieht und beim Rauchen am Gartenzaun den Nachbarn kennenlernt. Der ist der Dorfnazi - aber eigentlich ganz nett ...

„Haltungen fallen umso leichter, je größer die Distanz ist“, beschreibt Schlosstheater-Intendant und Regisseur Ulrich Greb den Konflikt. Darf man mit Nazis reden? Muss man vielleicht sogar mit Nazis reden? Wann macht man sich gemein mit der gemeinsten aller Weltanschauungen? „Die gesellschaftliche Spaltung ist ja deutlich sichtbar“, sagt Greb und verdeutlicht die Aktualität und Dringlichkeit des Stoffes. Mit dem ambivalenten oder auch kontradiktischen Begriffspaar „Radikalität und Sanftheit“ geht’s genau darum, Gräben zu überwinden.

Wie Realität überhaupt konstruiert wird, das will das Schlosstheaterensemble mit „Über Menschen“ herausfinden. Selbstverständlich haben Regie, Dramaturgie und Schauspiel einen ganz eigenen Zugang zum Romanstoff gefunden und bringen ihn quasi indirekt oder besser „hybrid“ auf die Bühne, mit Monitoren und Projektionsflächen - wie sie’s in der Coronapandemie, als sie vom Publikum gespalten waren, gelernt haben ...

Weitere Aufführungen am 2., 3., 9., 11. und 14. September

Karten: 02841 88 34-110, www.schlosstheater-moers.de