Neue Ausstellung im Museum Schloss Rheydt Eintauchen in die Welt um 1600

Rheydt · Das Herrenhaus von Schloss Rheydt präsentiert sich in neuem Glanz. Nachdem bereits im vergangenen Jahr das Erdgeschoss neu her- und eingerichtet wurde, konnte jetzt auch das Obergeschoss fertig gestellt werden. Museumsdirektor Dr. Karlheinz Wiegmann präsentiert stolz die beeindruckenden Sammlungen zur Kunst und Kultur der Renaissance und des frühen Barock.

 Ein Highlight der neuen Ausstellung ist die Kunst- und Wunderkammer, mit einigen außergewöhnlichen Exponaten.

Ein Highlight der neuen Ausstellung ist die Kunst- und Wunderkammer, mit einigen außergewöhnlichen Exponaten.

Foto: Andreas Baum

Am Schloss Rheydt herrscht Hochbetrieb. Handwerker, Techniker, Vermesser – „in den nächsten Jahren wird es hier einige bauliche Maßnahmen geben“, kündigt Dr. Karlheinz Wiegmann an. Das einzige erhaltene Renaissanceschloss im Rheinland ist in die Jahre gekommen, will man es in seiner vollen Pracht erhalten, muss saniert und investiert werden, innen wie außen. So wie im neu eingerichteten Erdgeschoss des Herrenhauses. Hier wurde passend zum 100-jährigen Museumsjubiläum im vergangenen Jahr die neu konzipierte Ausstellung „Der Adel. Die Familie. Das Schloss.“ eröffnet; Schwerpunkt ist das adelige Leben im Schloss am Beispiel der Familie Bylandt.

Am heutigen Sonntag, 14. Mai, folgt Teil zwei mit der Wiedereröffnung des Obergeschosses. „Hier geht es unter anderem um die Besonderheiten von Schloss Rheydt und um die Besonderheiten der Renaissance im Allgemeinen“, beschreibt es Dr. Karlheinz Wiegmann. „Das Schloss. Die Zeit. Der Mensch.“ lautet der Titel der Ausstellung, die sich einer Ära widmet, die von Umbrüchen geprägt war. „In dieser Zeit hat sich einfach alles geändert, man hat die Dinge völlig neu gedacht“, so Wiegmann. Die Erde war nicht länger Mittelpunkt des Universums, der Mensch sah sich als Krone der göttlichen Schöpfung, Wissenschaft und Forschung explodierten, gesellschaftliche Anlässe waren willkommene Gelegenheiten, zu zeigen, was man hatte.

 Links: „Die fürstliche Mätresse“, ihr ist ein eigener Raum gewidmet. Rechts: Museumsdirektor Dr. KarlHeinz Wiegmann in der Gemäldegalerie.

Links: „Die fürstliche Mätresse“, ihr ist ein eigener Raum gewidmet. Rechts: Museumsdirektor Dr. KarlHeinz Wiegmann in der Gemäldegalerie.

Foto: Andreas Baum

Einige Exponate in der Ausstellung sind neu hinzugekommen, andere wurden neu arrangiert. Jeder Raum im Obergeschoss ist im Kontext der Ausstellung einem bestimmten Thema gewidmet – von der Architektur der Renaissance über die Gemäldegalerie bis hin zum Wissenschafts- und Jagdkabinett. Viel zu entdecken gibt es in der Kunst- und Wunderkammer, etwa so ungewöhnliche Exponate wie einen Kreiselschnecken-Pokal, den Kaiser Rudolf II. einem Diplomaten aus Brüggen verliehen hatte, oder ein Bezoarstein aus dem Magen einer Ziege. Die Menschen stießen geografisch wie geistig in bislang unbekannte Welten vor, das wird in diesem Raum mehr wie deutlich.

Dr. Wiegmann, Schloß Rheydt, Austellung, 2. OG neu

Dr. Wiegmann, Schloß Rheydt, Austellung, 2. OG neu

Foto: Andreas Baum

Ins Schwärmen gerät Dr. Karlheinz Wiegmann, wenn er von der „Fürstlichen Mätresse“ (Joos Van Cleve, um 1530) spricht. „Ein fantastisches Bild, Haltung und Gesichtszüge der von Cleve gemalten Dame erinnern entfernt an da Vincis ‚Mona Lisa‘, sagt der Museumsdirektor. Diesem Werk, dessen Herkunft bis heute ungeklärt ist, ist ein eigener Raum gewidmet.

So wie bereits im Erdgeschoss können die Besucherinnen und Besucher auch die neue Ausstellung interaktiv entdecken: Eine App liefert zu jedem Objekt wichtige Informationen, zudem befinden sich auch in den neu eingerichteten Räumen des Obergeschosses Markierungen auf dem Boden oder an Kunstwerken, die mit der App gescannt werden können. Ein Museumsmitarbeiter erscheint und berichtet Dinge aus der Geschichte des Schlosses, die so noch kaum bekannt sind.