Roman zu gewinnen Mord, Geschichte und schlaue Frauen

Mönchengladbach · Michèle Friedrichs bringt pünktlich vor Weihnachten ihren zweiten Kriminalroman, einen Leckerbissen für Fans historischer Romane, heraus. Am 1. Dezember ist „Fräulein Charot und die toten Blüten“ erschienen. Die spannende Geschichte spielt im Gladbach von 1909.

 Michèle Friedrichs mit der ersten Auflage ihres neuen Krimis. Den Einband hat ihre Schwester, Sandra Manstein (Manstein Design Aachen), entworfen.

Michèle Friedrichs mit der ersten Auflage ihres neuen Krimis. Den Einband hat ihre Schwester, Sandra Manstein (Manstein Design Aachen), entworfen.

Foto: RBAV/Ulrike Mooz

. Eigentlich wollte Michèle Friedrichs eine Fortsetzung ihres ersten Mönchengladbach-Krimis „Das Haus unter der Abtei“ schreiben, schließlich warten ihre Fans schon seit zwei Jahren darauf. Aber das war nur eigentlich. Denn während der Recherchen hat sie sich immer tiefer in die Gladbacher Geschichte förmlich verstrickt und am Ende den historischen Kriminalroman „Fräulein Charot und die toten Blüten“ geschrieben. „Der ist aber jetzt definitiv der erste Band meiner neuen Fräulein Charot-Reihe“, verspricht sie augenzwinkernd.

Wenn Michèle Friedrichs recherchiert, dann richtig und penibel. Dann verliert sie sich auch schon mal in alten Büchern, Bildern und Briefen.

Stadtarchivar Helge Kleifeld habe ihr viel geholfen, sie mit alten Briefen und Postkarten auf neue Ideen gebracht. Eigentlich sollte Kommissar Kellermann weiter ermitteln, aber plötzlich sei sie vor dem Ersten Weltkrieg gewesen und habe sich am Jahr 1909 festgebissen. „Mönchengladbach ist damals eine wirklich blühende Stadt gewesen“, findet die Neu-Gladbacherin, die erst vor wenigen Jahren aus Düsseldorf zugezogen ist. Rund zwei Jahre hat sie in der Geschichte gegraben, ist auf den ehemaligen und sehr beliebten Bürgermeister Hermann Piecq gestoßen, die Frauenrechtlerin Marie Bernays, die über Arbeiterinnen in Mönchengladbach promovierte, und die reiche Wohltäterin Louise Gueury, die der Stadt die Lungenheilstätte im Hardter Wald vermachte. „Es gab hier sogar einen Automobilhersteller – Albert Falke“, sagt sie. Die Bismarckstraße habe Bahnhofstraße geheißen und unterhalb der KFH sei keine Straße, sondern nur Schienen gewesen. Von der einst blühenden Stadt, Magnet für Spaziergänger und edle Einkaufsstadt, ist heute nur wenig übrig. Von Zeiten, in denen die Hindenburgstraße Crefelderstraße hieß und sich Hutmacher, Konditoren und das Kaufhaus Abraham im Stil der Pariser Galerie Lafayette aneinander reihten, weiß kaum noch jemand etwas. Michèle Friedrichs hat auch Skurriles ausgegraben: So habe die Freiluftliegekur gegen Tuberkulose in der Lungenheilstätte nur aus stundenlangem Rumliegen bestanden. Dazu gab es diätisches Essen aus Schweinebraten, Süßigkeiten und Schnäpschen. Das Ganze natürlich nur für die Betuchten.

Und genau in dem Ambiente geschieht ein Mord. „Ich möchte, dass man in diese Zeit eintaucht und Freude daran hat, wie sie mal war“, sagt Autorin Friedrichs. Beim Stöbern ist sie sogar so weit gegangen, auf eine Immobilienanzeige zu antworten und sich eins der schönen alten Patrizierhäuser auf der Bismarckstraße zeigen zu lassen, um genau dort die Heldin ihres Krimis, Camille Charot, wohnen zu lassen.

Ein Krimi, der nur für Gladbach-Versteher interessant ist, ist das Buch trotzdem nicht geworden, vielmehr rankt sich die Historie dezent um das spannende Geschehen und eine ungleiche Frauenfreundschaft, einen Mord und gefährliche Situationen für die heimlichen Ermittlerinnen.