Wie groß dieser Effekt sein kann, zeigt das Beispiel des achtjährigen Louis aus Stolberg. Er war im vergangenen Oktober bei einem schweren Unfall lebensgefährlich verletzt worden und befand sich in einem komaähnlichen Zustand. Als er Anfang Dezember in die Mauritius Therapieklinik verlegt wurde, war er kaum ansprechbar. Heute sitzt er im Therapieraum, reagiert auf Ansprache und wirkt wach und fröhlich. Er strahlt, wenn er Greta sieht. Besonders seine zuvor stark beeinträchtigte rechte Körperseite gewinnt zunehmend an Kraft.
In der ergotherapeutischen Arbeit übernimmt Greta eine besondere Rolle. „Für viele Kinder ergibt eine Bewegung mehr Sinn, wenn sie diese für Greta ausführen“, erklärt Ergotherapeutin und Hundeführerin Viktoria Fibelkorn. Statt einfach nur den Arm zu heben, holen die Kinder ein Leckerchen und füttern die Hündin. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei weniger auf die Anstrengung als auf das Tier. Die Übungen werden häufiger wiederholt, Hemmungen sinken und die Motivation entsteht aus der Situation heraus. Greta ist somit nicht nur Motivatorin, sondern auch Sinngeberin. Auch bei Louis funktioniert dieser Ansatz: Während er früher kaum auf seine Umgebung reagierte, sucht er heute ganz bewusst die Nähe zu Greta. In der Therapie geht es nicht nur um Bewegungsübungen. Auch Berührungen, Geräusche und das Miteinander spielen eine große Rolle. Ein Hund wie Greta schafft hier einen einfachen, natürlichen Zugang.
Dass Tiere gut tun, ist wissenschaftlich belegt. Beim Kontakt wird unter anderem das „Kuschelhormon“ Oxytocin ausgeschüttet. Es stärkt Vertrauen und kann Stress reduzieren. So entsteht eine Atmosphäre, in der Therapie leichter gelingt. Greta hat eine spezielle Ausbildung zum Therapiebegleithund absolviert. Voraussetzung für ihren Einsatz ist zudem die therapeutische Qualifikation ihrer Halterin Viktoria Fibelkorn. Die ausgebildete Ergotherapeutin verbindet ihre therapeutische Erfahrung mit der professionellen Arbeit mit dem Hund.
In der Mauritius Therapieklinik ist Greta fester Bestandteil des Behandlungskonzepts für Kinder und Jugendliche mit neurologischen Erkrankungen oder nach schweren Verletzungen. Am Beispiel von Louis wird deutlich, wie wirksam dieses Zusammenspiel sein kann. Sein Weg ist noch nicht zu Ende. Doch die Fortschritte der vergangenen Wochen zeigen, was möglich ist – manchmal unterstützt von einer schwarz-weißen Fellnase.