Gut gefüllt war der Terminkalender der ukrainischen Gäste, die – leider ohne Bürgermeister Mykhailo Netiazhuk, der verhindert war – vom 6. bis 10. Juli in Meerbusch weilten. So wurden wichtige Infrastruktureinrichtungen im Stadtgebiet besucht, unter anderen das Wasserwerk in Lank, die Umspannanlage Osterath oder die St.-Mauritius-Therapieklinik. Kulturelle Highlights und Geselligkeit boten außerdem eine Stadtrundfahrt mit dem Meerbuscher Kulturkreis und ein gemeinsamer Abend in Düsseldorf mit Altstadt-Führung und einem Treffen mit Jacques Tilly, der in der Ukraine aufgrund seiner russlandkritischen Haltung gut bekannt ist.
Bei einem Frühstück im Küppershof in Osterath bestand am Mittwoch – quasi zur Halbzeit des Besuchs – dann noch Gelegenheit zum Austausch mit der heimischen Presse. Taras Morozko, Delegationsmitglied und Arzt aus Fastiv, zeigte sich besonders beeindruckt von Lage und Ausstattung der Mauritius-Therapieklinik, in der auch schon mehrere kriegsversehrte Kinder aus der Ukraine behandelt worden sind. „Nicht nur die Größe mit 30 Therapiebetten hat mich positiv überrascht, auch das ganze Umfeld ist hier ein sehr wohltuendes für die Patienten“, so Morozko. Er werde viele Anregungen mit nach Fastiv nehmen.
Voll des Lobes für die Hingabe, mit der die seit Februar 2024 bestehende Städtepartnerschaft in Meerbusch gelebt wird, zeigten sich Nataliia Forosenko und Viktoriia Kostetska aus der Internationalen Abteilung der Fastiver Stadtverwaltung. So pflege die ukrainische Stadt zwar noch Partnerschaften zu sechs weiteren europäischen Städten in Polen, England, Schweden, Litauen und der Türkei, Meerbusch sei aber „die Stadt, die hier am aktivsten ist“, bekräftigte Forosenko. Inzwischen gehe die Partnerschaft weit über den Aspekt der humanitären Hilfe, die durch den Verein „Meerbusch hilft“ in Form diverser Hilfsgütertransporte geleistet wird, hinaus. „Aus Partnerschaft ist hier mittlerweile richtige Freundschaft erwachsen“, betonte Forosenko, „nach Angriffen auf Fastiv etwa erreichen uns auch viele persönliche Nachrichten aus Meerbusch, in denen gefragt wird, wie es uns geht.“ Solche Freundschaft tröstet natürlich – gerade auch angesichts der jüngsten russischen Angriffe auf Kiew, die von der Delegation „mit großer Trauer und Wut“ aufgenommen wurden.
Auf die Frage, was sie aus Meerbusch primär mitnehmen werden, meinten die ukrainischen Gäste, dass es ihnen auf jeden Fall schwerfällt, von den hier gewonnenen Freunden Abschied zu nehmen. Man habe sich nach jahrelangem Austausch in Videokonferenzen jetzt erstmalig persönlich kennengelernt – das sei ein großer Gewinn, da der Austausch über gemeinsame Projekte dadurch erheblich erleichtert werde.
Dass die Partnerschaft zwischen Meerbusch und Fastiv – auch über das Ende des russischen Angriffskrieges hinaus – in Zukunft weiter ausgebaut werden soll, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Bürgermeister Christian Bommers kündigte am Rande des Treffens im Küppershof zudem an, dass man als eines der nächsten Ziele eine trilaterale Partnerschaft zwischen Meerbusch, seiner französischen Partnerstadt Fouesnant und Fastiv anstrebe. „Darüber hinaus freuen wir uns aber auch auf ein großes gemeinsames Friedensfest in Fastiv nach Kriegsende“, so Bommers.