Das Stadtgespräch bot den zahlreichen Gästen einen informativen und zugleich nachdenklichen Abend. Referent Martin Zeidler, Leiter der Abteilung „Lagemanagement und Warnung“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, erläuterte die Herausforderungen moderner Krisenszenarien und machte eindrucksvoll deutlich, warum Vorsorge und gesellschaftliche Resilienz heute wichtiger sind denn je. Zeidler zeigte auf, wie sich die sicherheitspolitische Lage in Europa seit Beginn des Krieges in der Ukraine grundlegend verändert hat. Krieg betreffe Deutschland nicht nur militärisch, sondern auch auf ziviler Ebene. Bevölkerungsschutz sei daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Staat, Kommunen, Unternehmen und Bürger gleichermaßen fordere.
Im Mittelpunkt des Vortrags standen die vielfältigen Gefahrenlagen der Gegenwart. Neben Naturkatastrophen zählen dazu unter anderem Terrorismus, Cyberangriffe, hybride Kriegsführung, Pandemien, wirtschaftliche Krisen, der Klimawandel, Flüchtlingsbewegungen sowie mögliche Versorgungs- und Stromausfälle. Besonders betonte Zeidler, dass Krisen häufig gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken können.
Zudem erläuterte er die Zuständigkeiten im deutschen Bevölkerungsschutzsystem. Während der Bund insbesondere für den Zivilschutz und die Unterstützung im Verteidigungsfall verantwortlich ist, tragen Länder sowie Landkreise und kreisfreie Städte Verantwortung für den Katastrophenschutz. Auf kommunaler Ebene stehen insbesondere Gefahrenabwehr, Rettungsdienst und Brandschutz im Mittelpunkt.
Ein zentraler Aspekt des Abends war das Thema Prävention. „Prävention statt Reaktion“ – unter diesem Leitgedanken warb der Referent für ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein für Risiken und notwendige Vorsorgemaßnahmen. Ziel müsse es sein, staatliche Strukturen und kritische Infrastruktur auch in Krisenzeiten möglichst lange funktionsfähig zu halten. Dabei spiele auch die Eigenvorsorge der Bevölkerung eine wichtige Rolle. Zeidler empfahl, sich darauf vorzubereiten, im Krisenfall mindestens 72 Stunden autark versorgt zu sein – insbesondere mit Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten und wichtigen persönlichen Vorräten. Bis umfassende Hilfsmaßnahmen greifen, könne im Ernstfall wertvolle Zeit vergehen.