Spektakulärer Fund Die Maske des Kriegers

Krefeld · Krefelds Archäologen haben die Maske eines römischen Reitersoldaten aus dem niederrheinischen Gebiet entdeckt. Sie sagt viel aus über den Krieg in der Antike.

 In der Werkstatt des archäologischen Museums Burg Linn: Museumsleiter Dr. Boris Burandt  zeigt die Nachbildung einer römischen Maske, die die Reiterkrieger vom Stamme der Bataver trugen. Das originale Fundstück taucht Restauratorin Eileen Wolff zur Entsalzung in ein Natronbad, das Stadtarchäologe Dr. Hans-Peter Schletter bereit hält. Darin muss es sechs Monate verbleiben. Foto: Müller

In der Werkstatt des archäologischen Museums Burg Linn: Museumsleiter Dr. Boris Burandt zeigt die Nachbildung einer römischen Maske, die die Reiterkrieger vom Stamme der Bataver trugen. Das originale Fundstück taucht Restauratorin Eileen Wolff zur Entsalzung in ein Natronbad, das Stadtarchäologe Dr. Hans-Peter Schletter bereit hält. Darin muss es sechs Monate verbleiben. Foto: Müller

Foto: Müller

„Das war ein Rostklumpen“, verweist Stadtarchäologe Dr. Hans-Peter Schletter auf eine nunmehr einigermaßen gesäuberte und erkennbare Metallplatte. Der Klumpen war 2017 bei Grabungen auf dem Römerfeld in Gellep gefunden worden. Die Wissenschaftler des Museums Burg Linn legten den Fund unter das Röntgengerät. Spektakuläres Ergebnis: es könnte sich um die Maske eines römischen Reiterkriegers vom Stamme der Bataver handeln. Ein sehr seltenes Stück. Eine Sandstrahlbehandlung bestätigte dann die erste Ahnung. Die Krefelder Archäologen waren erneut auf einen historischen Schatz gestoßen.

„Diese Masken gab es im Rhein-Maas-Gebiet bei den Batavern“, erklärt Dr. Boris Burandt, neuer Leiter des Museums Burg Linn. Der Fund belege, dass bataversche Kavallerieeinheiten bei der berühmten Bataverschlacht im Jahre 69 nach Christus auf dem heutigen Gebiet von Krefeld-Gellepp zum Einsatz kamen.

Diese Schlacht kann man sich kaum brutal genug vorstellen. Die Bataver waren eine Art Elite-Einheit. In der Schlacht stießen sie auf ebenfalls hochgerüstete römische Einheiten. Es handelte sich um einen Bürgerkrieg.

Eine Nachbildung der kompletten Maske, die Dr. Burandt präsentiert, lässt ihre Wirkung ahnen: „Die metallene Gesichtsmaske hatte eine Schutzfunktion, sollte aber auch den Gegner beeindrucken“. Sie verleiht dem Gesicht des Trägers einen emotionslosen,  fast entmenschlichten Ausdruck und wirkt in Verbindung mit einer angeknüpften Haarmähne über dem Kopf  fast wie eine überirdische Erscheinung. 

„Damals strebte jeder Krieger nach Sichtbarkeit“, untermauert Dr. Schletter die Deutung. Während heutige Soldaten sich möglichst tarnen, traten die Krieger der Römerzeit ihren Gegner möglichst grell entgegen. Es kam darauf an, die eigene Person aufzuwerten und den Gegner abzuschrecken.   

Das gelang bei dieser Metallmaske allein schon durch das Material. Metall war sehr teuer und damit selten. Wer sich eine solch kostbare Verkleidung leisten konnte, steigerte allein dadurch schon seine Bedeutung. 

Restauratorin Eileen Wolff nimmt sich des Maskenstücks nun an: „Das Eisen muss entsalzt werden, damit es nicht weiter korodiert“, erläutert sie. Zu diesem Zweck taucht sie in der Werkstatt des Museums das wertvolle Stück in ein Bad aus Natronlauge. Drei- bis viermal wird die Lauge gewechselt. Insgesamt bleibt das Maskenstück sechs Monate im „Bad“.

Was Dr. Burandt an diesem und anderen Funden besonders schätzt, ist die Übereinstimmung mit den überlieferten Schriftzeugnissen über die Schlacht: „Hier treffen Geschichtsschreibung und Archäologie zusammen“. Dadurch gewinnen die Funde ihre Aussagekraft und ihre Anschaulichkeit. Nach ihrer Restauration wird auch die Reitermaske im Museum für das breite Publikum ausgestellt werden.