Was kommt eigentlich nach dem Berufsleben? Mehr freie Zeit, neue Möglichkeiten und vielleicht die Gelegenheit, etwas zu tun, das schon lange Freude macht oder bisher einfach keinen Platz im Alltag hatte. Der Workshop „Zu jung, um alt zu sein“ richtet sich an Menschen zwischen 55 und 75 Jahren, die Lust haben, ihre neue Lebensphase aktiv zu gestalten und dabei vielleicht auch ein passendes Ehrenamt zu entdecken. Das Aktionsjahr möchte Begegnung fördern, Menschen miteinander verbinden und zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, Gemeinschaft aktiv zu gestalten.
Mit dem Renteneintritt endet nicht automatisch die aktive Zeit. Im Gegenteil: Viele Menschen bringen jahrzehntelange Erfahrungen, Wissen, Fähigkeiten und Talente mit, die auch außerhalb des Berufslebens wertvoll sind. Gleichzeitig entsteht Raum für Neues: Menschen kennenlernen, Neues lernen, eigene Ideen einbringen oder eine Aufgabe übernehmen, die Sinn und Freude macht. „Wir möchten den Blick auf das Ehrenamt einmal von einer anderen Seite betrachten“, erklärt das Organisationsteam Jeannette Gniot, Quartiersmanagerin in Schiefbahn, und Melina Friedrich, Leitung des Freiwilligenzentrums in Willich. „Es geht nicht darum, dass Menschen gebraucht werden, weil irgendwo Hilfe fehlt. Es geht darum, dass sie etwas mitbringen: Erfahrungen, Interessen, Talente und Lust, sich einzubringen.“
Dabei kann Engagement ganz unterschiedlich aussehen. Wer gerne mit Menschen arbeitet, findet vielleicht eine soziale Aufgabe. Wer lieber praktisch tätig ist, kann seine handwerklichen Fähigkeiten einsetzen. Andere möchten ihr berufliches Wissen weitergeben, Veranstaltungen unterstützen, kreativ arbeiten oder etwas völlig Neues ausprobieren.
Das Herzstück des Workshops: Die Teilnehmenden müssen nicht selbst lange nach dem passenden Ehrenamt suchen. Beim Speed-Dating mit verschiedenen Institutionen und Organisationen können sie unkompliziert und ohne Verpflichtungen unterschiedliche Engagement-Möglichkeiten kennenlernen. In kurzen Gesprächsrunden gibt es Gelegenheit, Fragen zu stellen, herauszufinden, was zu den eigenen Interessen passt, und erste Kontakte zu knüpfen. Dabei geht es nicht darum, am Ende des Tages bereits eine Entscheidung treffen zu müssen. Vielmehr stehen die Information und Selbsteinschätzung im Mittelpunkt: Was interessiert mich? Was kann ich einbringen? Was möchte ich noch lernen? Und welche Menschen möchte ich kennenlernen?
Ein Aspekt des Themas ist die Prävention von Einsamkeit. Dabei soll Einsamkeit ausdrücklich nicht als persönliches Defizit verstanden werden. Vielmehr geht es um die Frage, wie Menschen auch in einer neuen Lebensphase mit anderen verbunden bleiben und Teil einer Gemeinschaft sein können. Freiwilliges Engagement bietet dafür viele Möglichkeiten: Man trifft regelmäßig Menschen, übernimmt gemeinsam Verantwortung, erlebt Wertschätzung und gestaltet das eigene Umfeld mit. Aus einem gemeinsamen Projekt kann ein neuer Kontakt entstehen und aus einem Kontakt vielleicht eine Freundschaft.
Damit greift der Workshop ein zentrales Anliegen des Aktionsjahres „Willich gemeinsam – ein Jahr gegen Einsamkeit“ auf: Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, sich einbringen und miteinander etwas bewegen. „Zu jung, um alt zu sein“ möchte deshalb Mut machen, den Übergang in den Ruhestand nicht nur als Ende des Berufslebens zu betrachten, sondern als Beginn einer neuen Lebensphase mit vielen Wahlmöglichkeiten.
Der Workshop findet am Freitag, 2. Oktober, von 15 bis 18 Uhr in Neersen statt. Der genaue Ort wird nach Zusage der Teilnahme mitgeteilt.