Neues Buch Nach echten Kriminalfällen suchen

Viersen · Die Viersenerin Kirsten Wilczek hat gemeinsam mit ihrer Co-Autorin Eva-Maria Silber einen weiteren historischen Kriminalroman – „Der Bonbonmord zu Köln“ – im Piper Verlag veröffentlicht.

Autorin Kirsten Wilczek kommt aus Viersen.

Foto: Ute Gabriel

Morgens zwischen 5 und 8 Uhr sitzt Kirsten Wilczek an ihrem „Schreib-Schreibtisch“, der eigentlich ein Sekretär ist, und bringt quasi „Mord und Totschlag“ zu Papier. „Anschließend wechsle ich an den Büroschreibtisch und führe meine Kanzlei“, erklärt die Viersener Anwältin, die bereits an ihrem fünften Kriminalroman tüftelt.

Druckfrisch ist ihr neuer True Crime-Thriller „Der Bonbonmord zu Köln“ erschienen, den sie zusammen mit Co-Autorin Eva-Maria Silber geschrieben hat. „Vor 15 Jahren haben wir uns kennengelernt, doch wir sind uns noch nie wegen der Distanz von einigen Hundert Kilometern persönlich begegnet“, sagt Wilczek. In Mails werden täglich Ideen ausgetauscht, dann werde geplottet, wenn der Fall konzipiert ist. „Wir suchen uns unser Personal, also die Hauptfiguren, erarbeiten eine Kapitelstruktur und jeder schreibt seine eigene Figur“, erklärt die Autorin. Dabei suchen die beiden nach echten Kriminalfällen aus der damaligen Zeit, über die im besten Falle auch noch Gerichtsakten oder Dokumentationen vorhanden sind. „Da Geschworenenprozesse höchst populär damals waren, gab es schon Presseberichte mit Zeichnungen aus dem Gerichtssaal“, weiß die Viersenerin zu berichten.

Der neue Krimi „Der Bonbonmord zu Köln“ spielt also im Köln des Jahres 1848. Ein unbekannter Giftmischer verteilt mit Strychnin versetzte Schokoladen-Bonbons in der Stadt. Viele Menschen erkranken, ein Kind stirbt. Unter den Bürgern breiten sich Schrecken, Paranoia und anonyme Verdächtigungen aus, befeuert durch eine hohe Belohnung für Hinweise. Dann wird eine Verdächtige vor Gericht gestellt...

Die Recherche funktioniere vom „Groben zum Speziellen“. „Da unsere Krimireihe in Köln Mitte des 19. Jahrhunderts spielt, haben wir uns über die Geschichte der Märzrevolution im Rheinland in die Stadtgeschichte eingelesen und uns dann das französische Straf- und Strafprozessrecht ’draufgeschafft’“. Nicht nur in Geschichtsbüchern, im historischen Stadtarchiv, in alten Stadtkarten wurde geschmökert, auch das Durchstreifen der Kölner Altstadt, um alte Zeitzeugen in Augenschein zu nehmen, Entfernungen abzumessen etc, gehörte mit zur Recherche.

Übrigens steht aktuell der erste Band – „Der Blutmensch zu Köln“ – der Ende 2025 erschienen ist, auf der Shortlist des Goldenen Homer 2026. Dieser Anwaltskrimi, der ebenfalls auf einem wahren Fall basiert, spielt kurz vor Ausbruch der Märzrevolution 1847. Zwei Juristen, eine Journalistin und ein Sergeant im Wettlauf gegen die Zeit. In einem abgebrannten Gutshof werden neun Tote gefunden. Alle wurden vor dem Brand erschlagen.

Der Krimi „Der Bonbonmord zu Köln“ ist neu erschienen.

Foto: Wilczek

Neben Kriminalromanen schreibt Kirsten Wilczek auch gerne Short Stories. Und nach ihrer Auffassung ist es auch eindeutig die Schuld ihres Vaters Bernhard, „dass ich die Welt zutexte“, fügt sie augenzwinkernd hinzu. Denn während einer TV-Serie in den 1970er-Jahren habe sie ein flammendes Plädoyer gegen Sklaverei gehalten. „Damit ich wahrscheinlich endlich Ruhe gebe, hat er mir eine Feder, ein Tintenfass und Büttenpapier geschenkt - mit der Aufforderung: Schreib es auf!“ Gesagt, getan, sie schrieb einfach weiter, vor allem Kurzgeschichten.

Aktuell werden Ideen für den dritten Band der True Crime-Reihe gesammelt. „Da erarbeiten wir gerade ein Exposé, das der Piper Verlag unlängst angefragt hat.“ Befassen möchten sich Kirsten Wilczek und Co-Autorin Eva-Maria Silber mit der Phase der Repression nach Niederschlagung der Revolution – als der preußische König die Uhren, die auf Freiheit standen, wieder zurückdrehte.