Das geht aus einer Antwort der nordrhein-westfälischen Landesregierung an den SPD-Abgeordneten René Schneider hervor. Aktuell prüfe ein Gutachterbüro die möglichen Auswirkungen belasteter Materialien, die offenbar in Kamp-Lintforter Tagebauen entsorgt wurden. „Bei der endgültigen Zulassungsentscheidung wird auch das Gutachterergebnis bezüglich des Verfüllmaterials berücksichtigt“, schreibt das NRW-Wirtschaftsministerium als oberste Aufseherin mit Blick auf eine tiefere Auskiesung des Rossenrayer Felds Süd.
„Das ist eine gute Nachricht. Denn aktuell befürchten viele, dass beim Abbau tieferer Schichten im See belastetes Material mit abgesaugt werden könnte und dadurch zusammen mit unbelastetem Kies und Sand in Verkehr geriete“, sagt Schneider. Demnach habe der Tagebau-Betreiber den Antrag gestellt, mittels Saugbagger eine halbe Millionen Kubikmeter Kies und Sand in den bereits bestehenden Seen zusätzlich abzusaugen. „So lange wir nicht wissen, was genau an welcher Stelle liegt, sollten wir das nicht riskieren“, sagt Schneider. Zwar sei im Hauptbetriebsplan vorgegeben, dass der Saugbagger mindestens hundert Meter Abstand zur mutmaßlich betroffenen Uferböschung halten müsse. „Aber sicher ist sicher. Wer sagt uns denn, dass nicht belastetes Material im Wasser verwirbelt wurde“, sagt Schneider: „Nun haben wir die Zusage, dass die Genehmigungsbehörde wartet, bis wir Klarheit haben. Damit zahlen sich die beharrlichen Nachfragen aus.“
Die Abbaustätte stärker als bislang geplant auszubeuten, hält Schneider grundsätzlich für „das kleinste Übel beim Kiesabbau am Niederrhein“. Die jetzt im Zuge seiner Kleinen Anfrage bekannt gewordene Menge zeige, dass hier wie anderswo noch genug Sand und Kies abgebaut werden könnten, ohne dafür neue Fläche aufzumachen. Wenn nun ein neuer Regionalplan Ruhr die Versorgungssicherheit über 20 Jahre darstellt, werde das ohne die bislang zahlreich geplanten neuen Kiesgruben im Kreis Wesel gehen, so Schneider. „Der sinkende Verbrauch, die stärkere Ausbeutung der Gewinnungsstätten und eine konsequente Umsetzung der von der Landesregierung vorgeschlagenen Degression macht größere Neuausweisungen unnötig“, sagt der Kamp-Lintforter Landtagsabgeordnete.