Duisburg Ein Kraftakt wird zum Fest des Glaubens

Rumeln-Kaldenhausen · Mit Freude, Dankbarkeit und großer Würde feiert St. Marien die Einweihung seines neuen Gemeindezentrums.

Kindergarten-Leiterin Susanne Sonnenwald (links) und ihre rechte Hand Susanne Brix bei der Bilderbuchbetrachtung mit ihren Schutzbefohlenen.

Foto: Ferdi Seidelt

(fs) Noch sind nicht alle Räume vollständig eingerichtet, und auch im Außenbereich warten einige Arbeiten auf ihre Fertigstellung. Doch an diesem Tag spielte das nur eine untergeordnete Rolle. Die Katholische Pfarrgemeinde St. Matthias/St. Marien feierte in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche die Einweihung ihres neuen Gemeindezentrums, des Verwaltungsgebäudes sowie der sanierten und erweiterten Kindertagesstätte – ein Fest voller Freude, Dankbarkeit und sichtbarer Erleichterung nach Jahren intensiver Arbeit.

Denn hinter dem Bauprojekt liegt ein Kraftakt, wie ihn eine Kirchengemeinde nur selten bewältigen muss. Nahezu fünf Millionen Euro wurden investiert, zahllose Entscheidungen getroffen, Herausforderungen gemeistert und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Dass dieser Weg nun mit einer würdevollen Feier seinen vorläufigen Höhepunkt fand, erfüllte viele Gemeindemitglieder mit Stolz.

Bereits der Gottesdienst spiegelte diese besondere Stimmung wider. Pastoralreferentin Christiane Kreienkamp gestaltete gemeinsam mit den Kindern der Kindertagesstätte einen liebevollen und bewegenden Wortgottesdienst, der viele Besucher tief berührte. Die anschließende Eucharistiefeier wurde von Pater Jestin Perikilakkattu in ruhiger und würdevoller Weise zelebriert und verlieh dem Fest seinen geistlichen Mittelpunkt.

Im Anschluss versammelten sich die zahlreichen Gäste im Innenhof zum offiziellen Festakt. Frank Brockof, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, erinnerte an die ersten Ideen für das inzwischen nahezu fünf Millionen Euro umfassende Bauprojekt. In seiner Ansprache würdigte er den außergewöhnlichen Einsatz aller Beteiligten. Sein Dank galt den Planern, Architekten, Handwerkern, Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und den vielen Menschen, die das Projekt mit Tatkraft, Geduld und Vertrauen begleitet haben. Ohne dieses beeindruckende Miteinander wäre ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht zu verwirklichen gewesen.

Bevor Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Liß das symbolische Band durchschnitt und damit die neuen Gebäude offiziell ihrer Bestimmung übergab, schlug ihr Stellvertreter Ferdi Seidelt den Bogen in die Geschichte der Gemeinde. Diese begann mit den tiefgreifenden Veränderungen, die der Bergbau in Rumeln-Kaldenhausen zwischen 1937 und 1973 auslöste. Hinzu kamen der Zuzug zahlreicher Flüchtlinge und Vertriebener sowie die neuen Krupp- und Thyssen-Siedlungen. Immer mehr katholische Familien fanden hier eine neue Heimat. Die Gottesdienste der Kaldenhausener Pfarrer Bernhard Werschmann und später Anton Janssen wurden zwar gerne besucht, doch der Weg zur Kirche war für viele Gläubige weit. So entstand 1966 zunächst ein Provisorium: Im Anbau der katholischen Marienfeldschule wurde sonntags die Heilige Messe gefeiert. Gleichzeitig reifte längst der Plan für ein eigenes Gotteshaus. Bereits damals hingen dort die Bauzeichnungen für die Kirche gegenüber der sogenannten „Z-Kurve“ am Hülsenhof. Ebenso früh stand der Name fest: St. Marien – in Erinnerung an das ehemalige Franziskanerinnenkloster Marienfelde, das hier zwischen 1472 und 1803 bestand.

Mit der Gründung eines Kirchbauvereins nahm das Vorhaben Gestalt an. Genehmigt wurde schließlich ein umfangreiches Bauprogramm mit Kirche, Turm, Pfarrhaus, Kindergarten, Jugend- und Pfarrheim sowie einer Küster- beziehungsweise Hausmeisterwohnung. Im Oktober 1966 erfolgte der erste Spatenstich für die Kirche. Das Gotteshaus mit seinem markanten, 33 Meter hohen Turm konnte bereits 1968 eingeweiht werden. Es folgten das Pfarrhaus, der Kindergarten und später das Pfarrheim. 1974 wurde St. Marien eigenständige Pfarrei. Seit 2015 gehört die Gemeinde zur Pfarrei St. Matthias, seit diesem Jahr ist sie Teil des Pastoralen Raums.

Fünf Geistliche haben das Leben der Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend geprägt. Kaplan Gregor Dycker leitete gemeinsam mit St.-Klara-Pfarrer Anton Janssen die junge Gemeinde bis August 1970. Es folgten Pastor Franz-Josef Hachmöller und ab Oktober 1973 Pfarrer Helmut Golombek, der die Erhebung von St. Marien zur eigenständigen Pfarrei miterlebte und die Gemeinde über 26 Jahre hinweg begleitete. Im Jahr 2000 übernahm Pfarrer Rainer Hermes die Leitung, bevor 2007 Pfarrer Andreas König sein Nachfolger wurde.

Mit der Einweihung der neuen Gebäude schließt sich ein bedeutendes Kapitel der Geschichte von St. Marien – und zugleich beginnt ein neues. Auch wenn noch nicht jeder Raum eingerichtet ist und im Außenbereich weiterhin gearbeitet wird, ist eines bereits sichtbar geworden: Die Gemeinde hat gemeinsam Außergewöhnliches geleistet. Das neue Zentrum ist weit mehr als ein Gebäudeensemble. Es ist Ausdruck eines lebendigen Gemeindelebens, eines starken Zusammenhalts und eines zuversichtlichen Blicks in die Zukunft.