Mit der Ergänzung des Straßenschildes wird die Geschichte einer Frau sichtbar gemacht, deren mutiges Handeln bis heute für Menschlichkeit und Zivilcourage steht.
Im Rahmen des Geschichtsleistungskurses der Europaschule fanden Schülerinnen und Schüler die außergewöhnliche Geschichte der Rheinbergerin Maria Kann. Schülerin Afrah Girdo führt aus: „Wir haben festgestellt, dass es häufig Männer waren, die geehrt wurden. Es war spannend, nun die Lebensgeschichte einer für Rheinberg ganz wichtigen Frau zu erforschen.“ Im Unterricht beschäftigten sie sich mit der Frage, wer Maria Kann war und warum ein Weg nach ihr benannt wurde. Aus ihren Recherchen entstand die Idee, den Straßennamen um ein erläuterndes Legendenschild zu ergänzen, um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste der Stadt Rheinberg über das Leben der außergewöhnlichen Rheinbergerin zu informieren.
In enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Rheinberg entwickelte der Kurs die Inhalte des Schildes. Die Stadt Rheinberg griff die Idee auf und setzte sie gemeinsam mit den beteiligten Fachbereichen um.
Maria Kann (1899–1987) wurde in Rheinberg geboren und arbeitete viele Jahre für eine jüdische Familie in Wuppertal. Während der Zeit des Nationalsozialismus unterstützte sie die Familie trotz erheblicher persönlicher Risiken. Ihr gelang es, den beiden Töchtern Margot und Ruth Berger 1939 die Flucht nach England zu ermöglichen und ihnen damit das Leben zu retten. Auch darüber hinaus setzte sie sich für Menschen in Not ein. Ihr Handeln ist bis heute ein eindrucksvolles Beispiel für Mut, Mitmenschlichkeit und gelebte Verantwortung.
„Erinnerungskultur lebt davon, dass Geschichte erzählt und verständlich vermittelt wird. Das neue Legendenschild macht die Bedeutung des Maria-Kann-Weges für alle sichtbar und geht auf eine Initiative junger Menschen zurück, die sich intensiv mit der Geschichte ihrer Stadt auseinandergesetzt haben. Dieses Engagement verdient besondere Anerkennung“, betont Bürgermeister Philipp Richter.
Mit dem Legendenschild wird die Benennung des Maria-Kann-Weges um wichtige historische Informationen ergänzt. Gleichzeitig unterstreicht das Projekt den hohen Stellenwert der lokalen Erinnerungskultur in Rheinberg und zeigt, wie das schulische Engagement und die Zusammenarbeit mit der Stadt Rheinberg dazu beitragen können, das Andenken an Menschen zu bewahren, die durch ihr Handeln Verantwortung übernommen und Menschlichkeit bewiesen haben.